Heute habe ich meine Königsetappe absolviert. Insgesamt bin ich heute mehr als 1800m aufgestiegen, habe den mit 2962m höchsten Punkt des Traumpfades München-Venedig erreicht und als Zugabe noch den Piz Boè mit 3152m bestiegen. Und das alles auf einer Strecke von kaum mehr als 15km. Allein das zeigt schon, wie steil die Wege heute waren.
Die heutige Etappe, die eigentlich fast zwei Etappen waren, bestand zum großen Teil aus Klettersteigen, die vielleicht nicht ganz so anspruchsvoll wie die Nives-Scharte gestern waren, aber dafür viel länger. Beim ersten Klettersteig, der gleich am Anfang des heutigen Tages vom Grödner Joch zum Rifugio Pisciadù auf 2587m Höhe führte, habe ich leider den Fehler gemacht, dass ich meine Wanderstöcke nicht rechtzeitig an Rucksack verstaut hatte, so dass ich die Stöcke ständig in der Hand hatte, was das Klettern etwas schwieriger machte. Mitten im Klettersteig wollte ich dann auch nicht mehr den Rucksack absetzen, um die Stöcke wegzupacken. Aber es ging ja auch so. Zu allen Überfluss habe ich unterwegs noch meine Handschuhe verloren, die aber ein netter Kletterer mir nachgetragen hat.
Überhaupt die Handschuhe, die waren heute wirklich nötig, da es heute doch stellenweise ungemütlich kalt war. Vor allem an den offenen hochgelegenen Stellen wehte ein sehr unangenehmer, kalter Wind, so dass ich heute tatsächlich nach zweieinhalb Wochen erstmalig meinen Pullover angezogen habe. Vor allem auf dem Gipfel des Piz Boè war es bestimmt nicht viel über 0 Grad. Aber dafür hat es nicht geregnet, wenn es auch stellenweise danach aussah.
Aber zurück zu den heutigen Weg. Das Rifugio Pisciadù liegt sehr malerisch an einem kleinen Bergsee:

In dieser teilweise eher an eine Mondlandschaft erinnernden Umgebung wirkt der See fast etwas unwirklich.
Von dort ging es dann über den zweiten Klettersteig zur höchsten Stelle des Traumpfades, die selbst wenig spektakulär auf einer Hochebene liegt, aber von wo man eine spektakuläre Aussicht hat.

Wir schon eingangs erwähnt bin ich aber noch über diesen höchsten Punkt hinausgestiegen auf den Gipfel des Piz Boè, der eigentlich nicht auf dem Weg liegt, der aber mit einem kleinen Umweg erfordert. Auf dem Gipfel gibt es sogar eine kleine Hütte, in der Vicky heute Nacht schläft. Ich hatte auch eine Reservierungsanfrage gestellt, aber die Hütte war schon ausgebucht. Anni und Henning hatten sogar in letzter Minute noch zwei Plätze haben können, aber da waren sie schon wieder vom Gipfel abgestiegen, so dass sie jetzt auch mit mir im Rifugio Viel dal Pan sind.
Nach diesem Umweg über den Gipfel nahm ich dann aber eine Abkürzung, in den ich mit der Seilbahn von der Pordoi-Scharte zum Pordoi-Joch gefahren bin statt runterlaufen. Aber das war es mir heute wert.
Obwohl der Kontrast dann doch sehr stark war: Von der kalten, kargen Höhe, die eher einer Mondlandschaft glich und wo noch reichlich Schnee lag, mitten hinein in den Trubel des Jochs mit seinen Gondelbahnen, Straßen und vor allem dem satten Grün seiner Wiesen, die in voller Blüte standen.

Es denn Trubel betraf, war er zum Glück recht schnell nach dem ich ein Stück von der Straße Weg war, auch schon wieder zu Ende.
Heute Abend tauchte übrigens Kevin plötzlich wieder in unseren Rifugio auf. Ich weiß gar nicht, ob ich von mitten schon erzählt habe. Er ist alleine mit dem Zelt auch auf dem Traumpfad unterwegs und schläft meist draußen. Mit bei schlechtem Wetter schläft er in Hütten. Meistens ist und trinkt er dort nur etwas. Wir treffen ihn immer mal wieder und immer hat er interessante Abenteuer zu erzählen, die ihm so wiederfahren sind. Er ist zum Beispiel der Einzige, der letzte Woche die Friesenbergscharte trotz schlechtem Wetter überquert hat, es wir uns nicht getraut haben. Heute hat er uns davon erzählt, dass er sein Portmonee mit seiner Bankkarte verloren hatte und es dann verzweifelt auf dem Weg gesucht hatte und bei allen Hütten der Gegend angerufen hatte, wo es tatsächlich bei einer abgeben wurde.
Denn Tag heute haben wir übrigens mit einer kleinen Geburtstagsfeier zu Annis 30. begonnen. Vicky hat es tatsächlich fertiggebracht zu diesem Anlass einen kleinen Geburtskuchen in Form eines Stück Apfelstrudels, eines unserer Grundnahrungsmittel hier, und drei Kerzen zu organisieren.
Es gäbe sicherlich noch viel zu sagen und erzählen, aber da ich mir bin, werde ich jetzt erst einmal versuchen zu schlafen, wenn es auch um mich ein aus allen Richtungen schnarcht.
Lieber Stefan,
herzlichen Glückwunsch für die Bewältigung der Königsetappe.Großartig,was du alles so
toll schaffst.Wir freuen uns jeden Tag auf deine Berichte und leiden und freuen uns mit dir
mit.Gestern haben wir Kirstens und Jürgens Geburtstag gefeiert.Nun weiter erfolgreiches Wandern jetzt in den Dolomiten.
Liebe Grüße
Papa und Mama
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