Heute schreibe ich euch schon an Nachmittag, was ich erlebt habe, da wir heute (zumindest Vicky und ich, Anni, Henning und Karsten haben die komplette Etappe gemacht) nur eine halbe Tour gemacht haben und deswegen einen freien Nachmittag haben. Der Wanderführer sieht eigentlich eine Etappe von der Olperer Hütte nach Stein vor, letzteres ist ein kleiner Weiler mit zwei Gasthöfen und einer kleinen Kapelle. Da man aber von dort die gleiche Höhe morgen wieder aufsteigen muss, die man heute dorthin absteigen würde, bin ich heute am Pfitscher Joch geblieben, ziemlich genau auf der Grenze zwischen Österreich und Italien bzw. zwischen Tirol und Südtirol. Das verlängert zwar die morgige Etappe etwas, aber dafür war es heute ein ruhiger Tag und man hat sich den Ab- und wieder Aufstieg gespart.
Es ist schon interessant wie sich der Ehrgeiz im Laufe der Zeit ändert. Am ersten Tag bin ich trotz Hitze und S-Bahn-Verbindung die komplette erste Etappe gelaufen, ebenso am zweiten Tag. Auch am dritten habe ich nicht die Seilbahn genommen und habe noch jeden Zusatzgipfel, der am Weg lag, mitgenommen. Am fünften Tag bin ich dann erstmals Bus gefahren, um ein langweiliges Teilstück auf einer Straße zu überspringen, und bei den letzten Etappen habe ich keine Extragipfel mehr mitgenommen. Allein das Vorankommen ist jetzt das Ziel. So haben wir auch heute die Etappe abgekürzt, da der Schlenker über Stein und unserem Ziel Venedig, nicht weitergebracht hätte.
Wobei, ganz so auf schnelles Vorankommen sind wir doch nicht fixiert. Gestern, vor dem Aufstieg zur Olperer Hütte, fahren wir am Schlegeisspeicher einen Wegweiser „Pfitscher Joch 2h“, wir hätten also gestern schon da sein können, wo wir heute erst sind. Stattdessen sind wir gestern in zwei Stunden zur Olperer Hütte gewandert und heute in 4 1/2 zum Pfitscher Joch. Offensichtlich ein grandioser Umweg.
Und grandios war er tatsächlich. Ersteinmal der Aufstieg längs des Riepenbachs mit seinen vielen Wasserfällen und dem Blick auf den türkis leuchtenden See vor der Bergkulisse der Zillertaler Alpen, dann die Olperer Hütte, die das genaue Gegenteil des Tuxerjochhaus an Tag zuvor war, und heute die halbe Etappe mit der Überquerung mehrerer reißender Bäche, zum Glück meist mit Brücken versehen, und immer wieder den Blick ins Tal auf den Stausee, wobei der Anfang des Tages alles andere als aussichtsreich war, da wir teilweise durch dichten Nebel wandern mussten. Aber zum Glück war der Weg gut markiert, so dass wir ihn trotz des Nebels immer gut finden konnten. Jetzt haben wir also auch mal eine Wanderung im Nebel gemacht.
Kaum in Italien angenommen wusste ich, warum ich auch warme Sachen mitgenommen habe. Es hat nämlich deutlich abgekühlt und auch für die nächsten Tage sind eher kühle Temperaturen angesagt, wobei das Wetter aber wieder eher besser werden soll. Momentan ist jedenfalls draußen alles wieder in dichten Nebel gehüllt.
Die morgige Etappe soll uns dann nach Pfunders führen, eine lange Etappe mit 1000m Aufstieg und 1500m Abstieg (die 200m zusätzlichen Aufstieg haben wir uns ja gespart, siehe oben). Das wird bestimmt anstrengend, aber auch deswegen war es für heute Mal einen halben Ruhetag zu machen, wobei 5h Wanderung für zwei Wochen für mich auch schon für einen ganzen Tag gereicht hätten. Aber so verschieben sich eben die Perspektiven.
Zum Schluss wie immer unser heutigen Wegverlauf: Olperer Hütte – Pfitscher-Joch-Haus.
Jetzt muss ich erst Mal rausgehen und nach einer Stelle suchen, wo ich Mobilempfang habe, damit ich diesen Artikel veröffentlichen kann.