Abstieg statt Aufstieg – vernünftig und stürmisch

In der vom Sturm umtoßten Olperer Hütte schreibe ich heute meinen Tagesbericht. Wie die Überschrift schon suggeriert, begannen wir mit dem Abstieg vom Tuxerjochhaus und nicht mit den Aufstieg zur Friesenbergscharte. Zum Glück war es heute morgen so kalt und ungemütlich, stürmig und regnerisch, dass keine ernsthafte Diskussion aufkam, ob wir es doch wagen sollten. Das Wetter wurde zwar bald besser, aber da war die Entscheidung schon gefallen, und, wie sich später herausstellen sollte, war es genau die richtige Entscheidung.

So wanderten wir also erst nach Hintertux im Tuxer Tal, fuhren dann mit dem Bus nach Mayrhofen, überfielen dort kurz noch den Bäcker, um unsere Lebensmittelvorräte aufzufüllen (warum wird später klar werden) fuhren dann mit dem nächsten Bus durchs Zillertal zum Schlegeisspeicher, von wo wir dann zur Olperer Hütte aufstiegen. Während wir diesen zweistündigen Aufstieg bewältigen fing es wieder zu regnen an, so dass alle überzeugt waren, dass es besser war, jetzt nicht an der Friesenbergscharte zu sein. Erst recht als wir dann hier oben waren, und es zunehmend stürmischer und neblig wurde.

Blick auf den Schlegeisspeicher

Wenn es gerade mal nicht neblig ist, hat man von hier oben eine phantastische Aussicht auf den Stausee unten im Tal und die umliegenden Berge. Schade, das es im Moment schwierig ist, Bilder hochzuladen. Ich würde gerne welche hinzufügen, aber das werde ich auf später verschieben müssen.

Die Olperer Hütte

Heute möchte ich noch gerne etwas über die Hütten erzählen, in denen wir bislang übernachtet haben. Wir raten bislang in der Tutzinger Hütte, dem Karwendelhaus, dem Hallerangerhaus, der Glungezer Hütte, der Lizumer Hütte und heute der Olperer Hütte. Sie waren alle recht unterschiedlich, mal teuer, mal billiger, mal größer, mal kleiner, mal neuer, mal älter, Mal raten die Portionen größer, mal kleiner. Aber alle hatten ihren jeweils eigenen Charme und können guten Gewissens empfohlen werden. Die Besonderheiten der Olperer Hütte z.B. bestehen darin, dass sie wie ein kleiner Bauernhof in den Bergen mit Schafen, Ziegen und Hühnern ist und dass sie kleinen Kinder der Wirtsleute hier einkaufen bzw. krabbeln. Und vor allem fühlte man sich überall als hat herzlich willkommen, die Wirtsleute waren freundlich und gaben bereitwillig Auskunft über Wetter, geplante Touren und Alternativen.

Ziegen und Hühner auf der Olperer Hütte

Dem einen oder der anderen ist vielleicht bei der obigen Aufzählung der Hütten aufgefallen, dass eine fehlt, nämlich das Tuxerjochhaus, in dem wir gestern übernachtet haben. Und das war kein Versehen, sondern volle Absicht. Denn das Tuxerjochhaus viel komplett aus dem Rahmen. Zuerst wurde man mit einem Schild empfangen, dass das verzehren von mitgebrachten Speisen und Getränken verboten ist. Das ist vielleicht noch nicht so schlimm, aber gleich mit einem Verbot empfangen zu werden, ist auch nicht besonders einladend. Aber einladend zu sein scheint sowieso nicht das Konzept dieses Hauses zu sein. Bei der Anmeldung ging es dann weiter: eine lange Liste von Regeln und die Anweisung eines Schlafplatzes mit der Ermahnung ja nicht mehr als den zugewiesenen Platz zu belegen. Warum dies besonders betont werden musste, stellte sich dann gleich heraus: die Schlafplätze waren so angeordnet, dass für 4 Plätze nur 3 Matratzen zur Verfügung standen.

Beim Abendessen gab es wider unverständliche Regeln, die Portionen waren nicht besonders groß und es hat auch nicht gut geschmeckt. Meine Bratkartoffeln z.B. waren noch nicht ganz weich. Und wenn man den ganzen Tag an der frischen Luft wandert, ist es wichtig, abends genug zu essen zu bekommen. Aber den Vogel hat das Frühstück abgeschossen. Schon an Abend musste man sagen, um wieviel Uhr man den Frühstücken möchte. Danach bekam man dann eine Tischnummer zugewiesen, die man sich unbedingt merken musste. Außerdem bekam man einen Bon für genau eine Portion Kaffee oder Tee. So saßen dann heute morgen alle, die zum 7 Uhr frühstücken wollten enggedrängt um einen Tisch, jeder vor sich einen Teller mit drei Scheiben Brot, drei Scheiben Wurst und drei Scheiben Käse. Und das war es. Ich, der ich gewohnt bin, reichlich zu frühstücken, damit ich gut durch den Tag komme, musste dort hungrig vom Tisch aufstehen. Dabei war das Frühstück jetzt nicht billiger als in anderen Guten, wo es ein großes Frühstücksbuffet gab. Deshalb mussten wir also in Mayrhofen schnell noch zum Bäcker gehen.

Überhaupt das Essen ist durchaus ein Problem bei so einer Alpenüberquerung. Am den ersten Tagen kam man immer mal wieder an einem Supermarkt oder Bäcker vorbei, bei dem man sich mit ein paar Vorräten wünschen konnte. Die letzten Etappen führten aber von Hütte zu Hütte durch unbewohntes Gebiet, wo es keine Einkaufsmöglichkeiten gab. Auf den Hütten gibt es zwar immer etwas zu essen, aber dort zu essen geht mit der Zeit ganz schön ins Geld. Na gut, ich habe jetzt ersteinmal wieder ein Brot und ein Stück Käse in meinem Rucksack mit den ich dir nächsten beiden Tage auskommen werde.

Morgen wollen wir dann die Grenze nach Italien an Pfitscher Joch überqueren. Dort werde ich auch gleich in der gleichnamigen Hütte bleiben, während Anni, Henning und Karsten noch nach Stein weiterlaufen. Hoffentlich ist das Wetter morgen besser als jetzt gerade, sonst wird der morgige Tag keinen Spaß machen.

Übrigens, das wichtigste hätte ich fast vergessen zu erwähnen. Vicky ist heute wieder zu uns gestoßen bzw. wir zu ihr, da sie einen Ruhetag auf der Olperer Hütte eingelegt hat. Es war schön, nach dem etwas beschwerlichen Anstieg teilweise im Regen von ihr empfangen zu werden. Da freute man sich gleich noch viel mehr, endlich angekommen zu sein. Danke, Vicky.

Heute gibt es wieder zwei Touren, da wir ja zwischendurch Bus gefahren sind: Tuxerjochhaus – Hintertux, Schlegeisspeicher – Olperer Hütte.

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