Zwischenspiel zum zweiten Akt

Wie gestern schon erwähnt ist jetzt der erste Teil meiner Wanderung schon zu Ende, der zweite Teil wird mich dann vom Inntal ins Pustertal und damit in das dritte Land meiner Alpentour nach Deutschland und Österreich, nämlich nach Italien führen. Nach dem Überqueren des Isarwinkels und des Karwendel, kommen jetzt die Tuxer Alpen und die Zillertaler Alpen an die Reihe, weit dann auch schon der Hauptkamm der Alpen überschritten wäre.

Zeit also ein erstes Zwischenfazit zu ziehen. Das wichtigste ist erst einmal, im Prinzip hat alles geklappt, ich bin gesund hier angekommen und fühle mich wohl, meine Blasen sind entgegen meiner zeitweisen Befürchtungen am Verheilen, und ich habe schon mehr geschafft, als ich bei meinem Start dachte.

In vielen Situationen habe ich Glück gehabt. Aber das gehört auch dazu, bzw. vielleicht war es auch nicht richtig Glück, sondern nur im richtigen Augenblick die Augen offen zu halten für die Chancen, mit denen man die Schwierigkeiten lösen oder umgehen kann, die sich bei so einem Unternehmen, oder überhaupt immer im Leben, ergeben. Und ich glaube, es ist auch ein Stück Lebenserfahrung, das es auch in einer vermeintlich ausweglosen Situationen immer doch weiter geht. Ausweglos bedeutet eher, der Weg ist noch nicht gefunden, als dass es ihn nicht gibt.

Aber jetzt werde ich etwas zu grundsätzlich. In so schlimme Situationen, dass ich sie als ausweglos bezeichnet hätte, bin ich während dieser Wanderung nicht geraten und werde es wahrscheinlich auch nicht, da es immer noch den Ausweg gibt, einfach nach Hause zu fahren und den Rest des Urlaubs zu Hause auf dem Sofa genießen. Diese Versuchung ist immer da, und jetzt habe ich auch schon so viel geschafft, dass es nicht mehr komplett peinlich wäre zu sagen, das war’s. Aber peinlich kann es eigentlich nie sein, zu erkennen, dass man geleistet hat, was man kann, überhaupt schon den Mut aufgebracht hat, los zu laufen, und dass irgendwann, aus welchen Gründen auch immer, eben die Möglichkeit das Unternehmen zu beenden, die Beste ist.

Aber warum mache ich mir gerade heute soviele Gedanken über Abbrechen, wenn der nächste Abschnitt vor der Tür steht? Heute Morgen haben uns nämlich Dorle und Peter informiert, dass sie nicht mehr weiterlaufen werden. Ich habe trotzdem und vielleicht auch gerade deswegen große Hochachtung vor dem beiden. Sie sind immerhin bis hierher gekommen und haben jetzt die für sie richtige Entscheidung getroffen. Auf diesem Weg noch mal vielen Dank an euch beide, Dorle und Peter, dass ihr einen Teil des Weges mit uns gegangen seid. Es war mit ein Vergnügen.

Es fällt mir noch rückblickend auf die erste Woche meiner Wanderung ein? Vielleicht dass ich überrascht bin, wie gut mein Körper, abgesehen von den Füßen, bislang alles mitmacht. Kein Muskelkater, keine Verspannungen im Rücken wegen des Rucksacks und konditionell bin ich eigentlich höchstens bei den ersten beiden Etappen, oder eigentlich nur bei der mit 37km in brütender Hitze längsten ersten Etappe, an meine Grenzen gekommen. Und vor allem, mein Knie, das mit vor Start am meisten Kopfschmerzen gemacht hatte, hat sich fast noch nie gemeldet. Alles gut also.

Eine weitere Erkenntnis, die ich über mich selbst gewonnen habe, ist die, dass das Alleinewandern für mich auf die Dauer doch nichts ist. Während der Vorbereitung habe ich es genossen, alleine durch die Wälder zu streifen, mein eigenes Tempo zu laufen, dann anzuhalten, wenn ich es will, und so weit zu laufen, wie ich mag. Ich empfand es eher als nervend, mich nach anderen richten zu müssen bzw. immer mal wieder warten zu müssen. Aber nach drei Tagen Alleinewandern war es mir dann doch zuviel der Einsamkeit. Immer nur seinen eigenen Gedanken nach zu hängen, keinen Input von anderen zu bekommen und niemand zu haben, mit dem man seine Freuden oder auch sein Leid teilen kann, macht mich auf Dauer depressiv.

So, das sind genug der Grübeleien. Zum Abschluss noch etwas handfestes, nämlich mein Tagesbericht. Hauptsächlich habe ich mir heute neue Wanderschuhe besorgt, da die alten mittlerweile so aussehen:

Meine sich auflösenden Wanderschuhe

Dann habe ich noch einen kleinen Stadtbummel durch Innsbruck gemacht, wo ich heute auch übernachte. Innsbruck hat wirklich eine sehr sehenswerte Altstadt mit vielen schönen, alten Gebäuden. Und besonders beeindruckend war für mich, dass sich dies alles in das Bergpanorama einfügt:

Kleine Collage mit Innsbruck-Bildern

Einen Track zum Nachwandern gibt es heute nicht.

Ein Gedanke zu “Zwischenspiel zum zweiten Akt

  1. Avatar von Michael Michael

    Hallo Stefan,
    durch die Zeitverschiebung kann ich immer deine neue Post beim Fruehstueck lesen. Du ahnst es nicht, wie Deine Reflektionen mir helfen von meinem Alltag Abstand zu bekommen und selbst ueber das Leben nachzudenken. Wanderungen sind fuer dafuer ideal und bieten viele Metaphern wenn es um Pfade, Abzweigungen, Gipfel und Taeler geht. Was du so geschrieben hast klingt wirklich spanned und ist inspirierend. Danke!
    Vielleicht ist mein vorheriger Kommentar nicht angekommen, da war ich gespannt welche Schuhe du Dir besorgst. Aber leider hat es ja bisher nicht geklappt, dann hoffentlich in Innsbruck.

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