Da es gestern auf der Tutzinger Hütte auf der ich die Nacht verbracht habe, kein Internet gab, heute wieder der Bericht für 2 Tage. Heute schlafe ich im Haus zur Post in Vorderriß, das zwar ein Stadtteil von Lenggries ist, aber selbst mit dem Bus nur in 45 Minuten zu erreichen ist. Und zu Fuß braucht man zwei Tage, zumindestens, wenn man den direkten Weg über die Berge geht, wie ich und noch einige andere, die sich heute Abend hier getroffen haben.
Schon seit Wolfratshausen ist mir immer wieder eine Frau aufgefallen, von der ich dachte, dass sie bestimmt auch den gleichen Weg wie ich geht. Oder fast den gleichen, da ich sie immer wieder überholt habe, ohne dass sie mich überholt hat, was eigentlich nur geht, wenn sie teilweise einen anderen Weg gegangen ist. Mittlerweile kenne ich auch ihren Namen, sie heißt Vicki und ist tatsächlich auch auf dem Weg nach Venedig.
Außerdem habe ich gestern noch Dorle und Peter getroffen, denen ich beim Finden des richtigen Weges behilflich sein konnte und auf der Tutzinger Hütte habe ich gestern Abend noch mit Carsten aus Chemnitz und Claudia aus Dresden zusammengesessen, die auch auch auf dem Weg nach Venedig sind und mit denen ich heute den ganzen Tag zusammen gewandert bin. Heute Abend sind dann noch Annika und Henning zu und gestoßen, die aber ein Zelt mithaben und bislang gezeltet haben, heute aber mal in einem richtigen Bett schlafen wollen.
Der Weg gestern ging ersteinmal wieder an meiner alten Bekannten, der Isar, entlang. Im Unterschied zu den Tagen zuvor, sah man aber von Anfang an die Berge bzw. um genauer zu sein den Isarwinkel, dessen Berge ich gestern und heute erkundet habe.

In Lenggries verließ ich dann die Isar und begann mit dem Aufstieg auf das Brauneck. Im Anbetracht der Gondelbahn war ich stark versucht statt hoch zu laufen mit der Bahn zu fahren. Aber schon gleich beim ersten Berg zu kneifen, erschien mir dann doch sehr schwach. Also bin ich den Skihang von Lenggries hochgestiegen. Teilweise war dieser so steil, dass ich selbst unter Einsatz meiner Suche kaum hochgekommen bin, aber immer wieder belohnten großartige Aussichten auf das Tal und die anderen Berge für die Mühen. Und natürlich erfüllte es mich immer wieder mit Stolz im Rückblick zu sehen, es ich schon geschafft hatte.

Auf dem Gipfel angekommen wollte ich dir dann eigentlich eine längere Rast machen. Aber da der Gipfel gleichzeitig eine Kuhweide mit den entsprechenden Hinterlassenschaften war, die allerlei unangenehme Insekten anrufen, hielt ich es dort nicht lange aus und wanderte dann weiter.

Das nächste Stück des Weges führte dann auf dem Gebirgskamm entlang, wo es immer wieder Gipfel mit Gipfelkreuzen gab, auf die man teilweise auch noch gleich hochsteigen konnte, um die atemberaubende Aussicht auf das Alpenpanorama genießen zu können, z.B. auf das Wettersteingebirge mit der Zugspitze und den Karwendel, der morgen unser Ziel sein wird.

Dann konnte man entweder weiter an den Kamm entlang wandern, über die Achselköpfe, einen Weg der schwarzen Kategorie, der laut Wanderführer aber eine gute Trainingsstrecke vor die kommenden Herausforderungen sein sollte, oder einen blauen Weg. Ich entschied mich für den schwarzen. Im Prinzip war er gut zu gehen für mich, aber meine Füße schmerzten immer mehr, so dass der abschließende Abstieg zur Tutzinger Hütte zur reinsten Qual wurde. Meine Blasen und wundgeriebenen Stellen werden immer schlimmer, obwohl ich sie mir Blasen- und anderen Pflastern dick eingepackt habe. Aber bei der Hitze lösen sich alle Pflaster schnell in den Socken wieder vom Fuß ab. Am Abend hätte ich am liebsten alles hinbeschmissen und wäre heute nach Hause gefahren. Aber selbst dazu hätte ich heute ersteinmal wieder ins Tal steigen müssen. Zum Glück habe ich dann noch mit Claudia und Carsten zusammengesessen, was meint Stimmung dann etwas aufgehellt hat. Vielen Dank Carsten und Claudia.
Heute ging es dann nach dem Frühstück ersteinmal wieder bergaufwärts Richtung Benediktenwand, unterhalb derer die Tutzinger Hütte liegt. Der Weg führte aber nicht auf den Gipfel hinauf, und zu dem Abstecher hatte keiner Lust, so dass es erst einmal wieder ins Tal, nach Jachenau ging. Die Highlights dieser ersten Hälfte des heutigen Tages waren, neben den immer wieder möglichen Aussichten auf die Bergwelt, der Wasserfall von Jachenau, an dem es auch eine Badestelle gab, die wir aber nicht genutzt haben. Im Ort Jachenau haben wir im örtlichen Schützenhaus ersteinmal unsere Tanks, sowohl den Akku meines Telefons, als auch unsere Wasserflaschen und natürlich unsere Bäuche mit einem kühlen Getränk, aufgefüllt. Deshalb beginnt der Track meiner heutigen Tour auch erst hier: Jachenau-Vorderriß.

Die zweite Hälfte des Tages war dann dem Aufstieg zum Rißsattel und dem daran anschließenden Abstieg nach Vorderriß gewidmet. Während es in der ersten Tageshälfte mit meinen Füßen noch ganz gut ging, wurde es auf der zweiten Hälfte zunehmend schlimmer. Jeder Schritt schmerzt und man weiß gar nicht mehr, wie man seine Zehen und den die im Schuh hinzurechnen soll. Leider war der Tag diesbezüglich nicht schön. Aber auch auf dieser Zeiten Tageshälfte hab es wieder schönes zu sehen. Vom Rißsattel konnte man auf das Tal des fast ausgetrockneten Rißbach schauen, ein interessanter Anblick.

Leider musste ich bei der kurzen Rast, die wir vor dem beschwerlichen, weil sehr steilen Anstieg noch einlegten, gestellten, dass meine Wanderschuhe sich beginnen aufzulösen: die Sohle beginnt abzugehen. Beate: Du erinnerst dich… Jetzt muss ich also ersteinmal sehen, wie ich zu neuen Schuhen komme, in denen sich meine Füße hoffentlich auch besser fühlen. Mein erster Impuls war, einfach nach Hause zu fahren, sich ersteinmal auszukurieren, neue Schuhe zu kaufen und dann vielleicht noch einmal einen neuen Anlauf zu wagen. Aber ich weiß nicht, ob ich mich noch einmal überwinden könnte. Die zweite Idee war mit dem Bus nach Lenggries zurückzufahren und dort nach neuen Schuhen zu schauen, aber morgen ist Sonntag, da werde ich wahrscheinlich nichts bekommen. Deshalb ist mein Plan jetzt, wir ursprünglich geplatzt morgen zur Karwendelhütte zu wandern, aber dabei ein Stück bis zu fahren, um Spiel mein Füße als auch meine Schuhe etwas weniger zu strapazieren. Dann am Montag vom Karwendelhaus nach Scharnitz zu wandern oder zu fahren, von wo man dann mit dem Zug in eine Stadt fahren kann, um neue Schuhe zu kaufen und auszuruhen.
Zum Abschluss nach all den Hiobsbotschaften noch etwas versöhnliches: Der Abend mit den anderen Venedig-Wanderern war sehr schön. Sich über die unterschiedlichen Motivationen und Pläne zu unterhalten, sich über Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen und etwas Trost zu meinem Gejammer zu erfahren, ließ den Tag versöhnlich ausklingen.
Hallo Stefan, alle Achtung, dass sieht mir wie eine echte Herausforderung aus! Das bringt mich zum Nachdenken, wie fit ich noch waere – die Zeiten mit den Korsika Wanderungen sind ja laengst vorbei. Auch die Zeiten, in denen Wanderschuhe fuer Jahrzenhnte hielten…Ich aergere mich immer noch, dass ich vor ein paar Jahren meine unverwuestlichen Alpinschuhe weggeschmissen habe. Ich bin gespannt, mit welchen Schuhen Du weiterwandern wirst. Michael
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Ich bin auch gespannt, wie es weiter gehen wird, heute haben sie jedenfalls erst einmal gehalten
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