Schnee im Sommer – ungewohnt und riskant

Heute habe ich meine erste Schneewanderung im Sommer absolviert. Gestern mussten wir ja auch teilweise über kleine Schneefelder gehen, aber heute ging mehr oder weniger die komplette erste Hälfte über Schnee. Das war schon eine ungewohnte Erfahrung, im T-Shirt bei vielleicht 20 Grad und strahlendem Sonnenschein durch Schnee zu wandern.

Schneefelder auf dem Weg zum Geierjoch

Die größte Herausforderung dabei war aber den richtigen Weg zu finden. Da hier im baumlosen hochalpinen Gebiet die Wegmarkierungen typischerweise auf irgendwelche Felsen Gehalt sind, ist es schwierig den richtigen Weg zu finden, wenn sie markierten Grüßen unter Schnee versteckt liegen. Da wir heute aber nicht die einzigen und auch nicht die ersten waren, konnten wir uns weitgehend nach den vor uns laufenden richten und sie erst einmal in die Irre laufen lassen und dann, nachdem sie den richtigen Weg gefunden hatten, ihnen einfach folgen.

Ganz einfach war es trotzdem nicht, da ich immer mal wieder eingebrochen bin, da ein Hohlraum über der Schneedecke war, oder ich auf dem Schnee ausgerutscht bin. Aber so schlimm, dass es richtig gefährlich wurde oder dass ich die am Donnerstag in Innsbruck erworbenen Spikes hätte einsetzen wollen, war es nicht.

Die einzige Stelle, an der ich mich nicht so wohl gefühlt habe, war kurz nach dem Überschreiten des Geierjochs, wo es ein steiles Schneefeld bergab ging statt bergauf und keine richtig gute Umgehungsmöglichkeit gab. Dort sind viele einfach runtergerutscht, es ich eigentlich wollte, aber am Ende unfreiwilliger Weise doch getan habe.

Am Geierjoch hat man einen schönen Block auf den Junssee, der im Wanderführer in strahlendem Blau abgebildet ist. Wir fahren ihn heute etwas anders. Da er noch teilweise zugefroren ist, sah er weiß aus mit ein paar himmelblauen Adern durchzogen. Ein sehr schöner Anblick.

Blick auf den zugefrorenen Junssee

Die Wanderung heute begann im wahrsten Sinne des Wortes tierisch. Zuerst mussten wir, gleich nach dem Start von der Lizumer Hütte, über eine Kuhweide. Dort begleiteten und die Kühe ein Stück und eine doch kurz an der Freiheit, bevor Henning doch noch rechtzeitig den Zaun wieder schloss. Gleich nach der Kuhweide kann eine Murmeltierwiese. Heute konnte ich tatsächlich auch mal ein Murmeltier mit eigenen Augen sehen. Ich war überrascht, wie wenig scheu sie waren. Ich kam bis auf wenige Meter am eines heran, um es zu fotografieren. Es ließ sich kein bisschen aus der Ruhe bringen. Heute Abend am Tuxer-Joch-Haus kann man übrigens die Murmeltiere noch viel besser beobachten, da auf der Wiese um die Terrasse der Hütte ganz viele wohnen und man sie so in aller Ruhe beobachten kann.

Murmeltiere auf Wachdienst

Das letzte Ereignis des heutigen Tages war ein kleines Gewitter, das wir glücklicherweise wieder gut geschützt auf der überdachten Terrasse der Hütte, erkennen können mit anschließendem Regenbogen vom Tal über die Berge.

Wie wird es morgen weitergehen? Auf dem Programm steht eigentlich das Überschreiten der Friesenbergscharte, ein weiterer Höhepunkt dieser Wanderung und fast die höchste Stelle des Traumpfades. Wie schon erwähnt ist die Friesenbergscharte auch bei normalem Sommerwetter schon eine Herausforderung. Momentan kommt noch der Altschnee dazu und evtl. das schlechte Wetter, das für morgen angekündigt ist. Da auch im Wanderführer vor diesem Weg bei schlechtem Wetter gewarnt wird, ist schon klar, das wir bei schlechtem Wetter definitiv die Alternativvariante mit kurzem Wandern nach Hintertux, dann Busfahren nach Mayrhofen und erinnert weiteren kurzen Wanderung zur Olperer Hütte wählen werden. Sollte das Wetter entgegen der Vorhersage morgen doch gut sein, werden wir noch einmal diskutieren müssen, wobei ich auch nach der Aussage des Hüttenwirts eher auch dann zum Busfahren tendiere, obwohl auch ich es schade finde, wenn jetzt schon die zweite Königsetappe den Verhältnissen zum Opfer fallen sollte. Aber dann soll es eben so sein.

Letzten Endes haben wir ja bei den letzten beiden Etappen schon Glück gehabt, dass sie jetzt gerade, als wir kamen, begehbar wurden. Überhaupt Glück und Pech. Oft sind beide gar nicht so weit voneinander entfernt. Oft sind sie viel weniger Gegensätze als viel mehr unterschiedliche Sichtweisen auf die gleiche Sache. War es z.B. Pech, dass meine Schuhe kaputtgingen, oder Glück, dass ich dazu zum Kaufen von neuen Schuhen und einem Ruhetag gezwungen wurde? Oder war es Pech, dass noch so viel Schnee liegt, oder Glück, weil wir so auf dem Traumpfad ganz anderes sehen als beschrieben und gelernt haben, immer y Schneefelder zu wandern? Es ließen sich sicherlich noch viele Beispiele dafür finden, wo das Pech nur die Voraussetzung für neues Glück ist.

Und wie immer zum Schluss noch unsere heutige Route: Lizumer Hütte – Tuxer-Joch-Haus

Höhepunkte ohne Ende – glücklich und zufrieden

Endlich wieder richtig wandern. Heute war ein Tag so richtig nach meinem Geschmack. Im Wanderführer lief die heutige Etappe über den Titel „Gipfelsammeln auf hohem Niveau“. Und so war es auch. Gleich nach dem Start gingen wir über den Glungezer-Gipfel, den wir ja gestern schon bestiegen hatten, und dann folgte ein Gipfel nach dem anderen, immer wieder hoch und runter.

Dieser Teil des Weges ist auch als „Seven-Tuxer-Summits“ oder Sieben-Gipfel-Weg bekannt. Neben dem Glungezer führte der Weg über Gamslahner Spitze, Kreuzspitze, Grünbergspitze, mit 2790m Höhe der höchste Gipfel unserer heutigen Wanderung, und Grafmartspitze. Die beiden übrigen Gipfel (Schoberspitze und Sonnenspitze) haben wir links liegenlassen, da wir ja keine Gipfel sammeln wollen, sondern nach Venedig wandern und morgen kommt schon die nächste Etappe, doch dazu später mehr.

Der Gipfelweg mit Schneefeld

Heute sind wir recht zeitig losgegangen, da wir mit mindestens 9 anstrengenden Stunden Wanderung gerechnet haben und nicht so spät an der Lizumer Hütte, unserem heutigen Etappenziel ankommen wollten. Der Weg selbst führte immer auf dem Grad entlang und bestand hauptsächlich aus Blockgelände, was auch immer wieder Kletterpassagen mit einschloss. Eine zusätzliche Steigerung bestand in den zahlreichen Schneefeldern, die hier immer noch zu finden sind und die entweder umgangen oder überquert werden mussten. Dabei empfahl und der Hüttenwirt gestern bei seinem Briefing in Badelatschen auf dem Gipfel – ihr erinnert euch -, die Schneefelder lieber zu umgehen, da man bei einem Schneefeld auf Blöcken nie weiß, ob nicht Hohlräume unser dem Schnee sind, die dann einbrechen können. Da bei einigen das Umgehen schwierig war und die anderen auch den Weg über das Feld nahmen, machen wir das auch so, und es ist zum Glück nichts passiert.

Überhaupt, die anderen. Wir waren beileibe nicht die einzigen, die heute diesen Weg wählten. Heute Morgen startete eine ganze Karawane von Wander*innen, die natürlich im Laufe des Tages aufgrund der unterschiedlichen Geschwindigkeiten sich immer weiter in die Länge zog. Besonders beeindruckt war ich von einer Familie mit zwei 10-12 Jahre alten Mädchen, die auch diesen Weg machten. Sanja, wäre das nicht auch etwas für dich?

Karawane über die Gipfel

Die heutige Etappe war sicherlich die anspruchsvollste bislang, zumindest aus wandertechnischer Sicht mit den vielen Kletterpassagen und dem unwegsamen Gelände. Die ersten langen Etappen in der brütenden Hitze durchs Isartal waren sicherlich auch anspruchsvoll, aber eher in konditioneller Hinsicht. Auch die dritte Etappe, die eine kombinierte Tal- und Bergetappe war, war im letzten Teil technisch anspruchsvoll, aber eben nur ein relativ kurzes Stück und nicht die ganze Zeit über, obwohl auch die letzten zwei Stunden von heute über einfacheres Gelände führten und sich am Ende auf einer Schotterstraße sich ganz schön hinzogen.

Was gab es heute noch außer Gipfel, die Jöcher dazwischen und Berge rundherum noch Interessantes zu sehen? Henning und Anni, z. B. haben ein Murmeltier gesehen, während ich nur die Eingänge in dessen Bau gesehen habe und ihre Pfiffe gehört habe, mit denen sich die Murmeltiere vor herannahenden Wander*innen und anderen Störenfrieden warnen.

Der eine oder die andere wird sich vielleicht fragen, wie es meinen Füßen geht und wie es sich in den neuen Schuhen läuft. Ich kann einfach nur sagen, super. Die Blasen sind mittlerweile fast verheilt und es sind heute auch keine neuen dazugekommen. Heute war der erste Abend nach einer Wanderung, an dem ich noch ganz normal laufen konnte, ohne Schmerzen zu haben. Wobei, ganz ohne Schmerzen ist etwas übertrieben, aber ganz normale Schmerzen nach so einer solchen Etappe, d.h. die Füße sind müde und die Knie lassen spüren, das sie heute sehr gefordert wurden. Aber das wird morgen bestimmt wieder vorbei sein.

Ich denke, es war wirklich gut, dass meine alten Schuhe kaputtgegangen sind. Zum einen hat mir das eineinhalb etwas ruhigere Tage beschert und natürlich neue Schuhe, in denen ich viel besser laufen kann als in den alten. Wären die alten nicht kaputtgegangen, ich glaube, ich hätte mich mit den alten einfach weiter durchgequält und auch höchstens einen halben Ruhetag gemacht. Aber so musste ich unbedingt neue kaufen, so dass das Unglück im Endeffekt ein großes Glück war. Aber so ist es oft im Leben, unerwartete Ereignisse eröffnen neue Möglichkeiten und Chancen, erlauben neu nachzudenken und zu besseren Ergebnissen zu kommen, als wenn man stur den vorgeplanten Weg durchzieht.

Wobei gerade beim Planen wir heute genau das Gegenteil erfahren haben. Die ganze Zeit war unklar, ob wir die morgige Etappe überhaupt so machen können, wie vorgesehenen, da sie uns auch wieder in ähnliche Höhen führt wie heute mit dem entsprechenden Risiko für Altschneefelder. Vicky, die schon einen Tag vor uns hier war, hat deshalb ihr Pläne geändert und eine andere Strecke gewählt. Deswegen waren wir ganz unsicher, ob wir es wagen sollten, die morgige Etappe zu absolvieren. Aber ein Gespräch mit dem Hüttenwirt heute Abend machte uns zuversichtlich, dass wir das schaffen können, weshalb wir morgen also den Weg von der Lizumer Hütte zum Tuxer-Joch-Haus angehen werden. Außerdem erscheint es plötzlich nach Aussage des Hüttenwirts nicht mehr völlig ausgeschlossen, dass wir sogar die Friesenbergscharte am Sonntag überqueren können. Aber da für Sonntag schlechtes Wetter angekündigt ist, ist das doch sehr fraglich. Aber bislang hatten wir immer Glück mit dem Wetter…

So fügt sich wieder eins zum anderen. Manchmal denke ich ja, ich hätte diese Wanderung besser planen sollen. Aber wenn man so viel im Voraus plant, kann auch zwischendurch durch Unvorhergesehenes viel Planung wieder zunichte gemacht werden, so dass man ständig am Umplanen ist. Und wenn man gar nicht so genau weiß, wie es weitergehen wird, kann man sich auch nicht aufregen, wenn geplante evtl. doch nicht durchführbar ist.

Auf der anderen Seite muss man, wenn man wenig im Voraus plant, auch die Ungewissheit aushalten, nicht so genau zu wissen, wie es weitergeht. Aber dabei hilft die Zuversicht, dass es immer irgendwie weitergeht und am Ende, egal wie, auch irgendetwas Gutes dabei herauskommt, zumindest etwas, über das es sich zu berichten lohnt.

So zum Schluss noch unsere heutige Tour: Glungezer Hütte – Lizumer Hütte.

Rückkehr in die Berge – entspannt und gespannt

Gerade schaue ich aus dem Fenster unsere Hüttenzimmers und sehe nur weiß, was zum einen daran liegt, dass das Fenster nur recht klein ist und die Hütte in einer Mulde liegt, deren Hänge aber noch eingeschneit sind. Wir, das sind Anni, Henning, Karsten und ich, sind wieder in den Bergen, diesmal auf dem Glungezer, einer der Hausberge von Innsbruck und mit über 2600m Höhe der bislang höchste Punkt unserer Tour. Der Aufstieg dorthin war aber der bislang bequemste, da er hauptsächlich mit Bus und Bergbahn erfolgte.

Doch bevor ich dort ankam, habe ich heute Morgen in Innsbruck noch schnell Spikes oder Grödel gekauft, mit denen ich, falls wir doch noch mal ein Schneefeld überqueren müssen, besseren Halt habe. Nachdem Anni in unsere WhatsApp-Gruppe gepostet hatte, das sie sich auch noch welche kaufen würden, dachte ich, ich wäre ja blöd, wenn ich dies nicht auch täte, jetzt wo es gerade die Gelegenheit gäbe. Gesagt getan, bin ich also noch mal schnell mit dem Bus in die Innenstadt gefahren und habe mir die Grödel gekauft. Auch dafür ist eine Wandergruppe gut, zum Austausch über Ausrüstung und zum setzen der Impulse zur rechten Zeit. Danke, Anni.

Nun aber zur Beschreibung unseres Aufstiegs zum Glungezer. Ich bin erst mit dem Bus von Innsbruck nach Tulfes gefahren bin, wo Karsten schon auf mich gewartet hat. Wir sind dann zusammen erst mit der Gondelbahn und dann noch mit dem Sessellift auf ungefähr 2000m Höhe gefahren, so dass der folgende Anstieg zur Hütte nur reichlich 600 Höhenmeter betrug, die wir in nicht ganz zwei Stunden auch geschafft haben.

Mit dem Sessellift Richtung Glungezer

Hier oben angekommen besiegten wir dann noch den Glungezer-Gipfel und die Sommerspitze, einen Vorgipfel des Glungezer, beide nur 5-10 Minuten von der Hütte entfernt. Was ich besonders faszinierend heute fand, waren die kleinen bunten Blümchen, die in vielen Felsspalten selbst in dieser Höhe noch das Auge erfreuen.

Blumen in Felsspalte

Über zwei Ereignisse wollte ich heute noch berichten: Ein nicht ganz so schönes und ein kurioses. Erst das nicht ganz so schöne: Gerade als wir so gemütlich auf der Terrasse der Hütte saßen, quatschen und die Aussicht gebissen, stürzte ein Junge ein paar Meter einen Geröllhang hinunter. Im Endeffekt sah es schlimmer aus, als es wohl war, aber man sieht wieder, man muss im Gebirge immer aufpassen, wohin man tritt.

Das zweite Ereignis bestand darin, dass ich meinen ersten Gipfel mit Badeschuhen bestiegen habe. Wie kam es dazu? Nach dem Abendessen lud uns der Hüttenwirt zum Streckenbriefing für morgen ein. Die meisten hier, vielleicht sogar alle, wollen morgen, wir auch wir, zur Lizumer Hütte, die sogenannte 7-Gipfel-Tour, machen. Zu diesem Briefing stiegen wir alle, so wie wir waren, die meisten also in Hüttenschuhen, zur Sommerspitze, von wo man einen Teil des Weges schon gut überblicken kann.

Der Weg morgen wird wahrscheinlich der bislang herausforderndste Abschnitt, da er zum einen lang ist (mindestens 8 Stunden, eher 9-10) und zum anderen dich ziemlich viele Schneefelder umgangen werden müssen, und das immer am Grat entlang. Aber dafür werden uns hoffentlich wieder grandiose Aussichten belohnen und die Tatsache, dass wir unseren Ziel Venedig ein Stück näher gekommen sein werden.

Und wenn ihr euch jetzt fragt, warum ich überhaupt neue Schuhe gekauft habe, wenn ich auch mit Badelatschen Berge besteigen kann, hier ist die Antwort: Beim Abstieg ging mein Badeschuh kaputt, so dass ich das letzte Stück in Socken gehen musste. Aber seid unbesorgt, er ist einfach wieder zu reparieren, aber oft sollte ich das nicht machen.

Zwischenspiel zum zweiten Akt

Wie gestern schon erwähnt ist jetzt der erste Teil meiner Wanderung schon zu Ende, der zweite Teil wird mich dann vom Inntal ins Pustertal und damit in das dritte Land meiner Alpentour nach Deutschland und Österreich, nämlich nach Italien führen. Nach dem Überqueren des Isarwinkels und des Karwendel, kommen jetzt die Tuxer Alpen und die Zillertaler Alpen an die Reihe, weit dann auch schon der Hauptkamm der Alpen überschritten wäre.

Zeit also ein erstes Zwischenfazit zu ziehen. Das wichtigste ist erst einmal, im Prinzip hat alles geklappt, ich bin gesund hier angekommen und fühle mich wohl, meine Blasen sind entgegen meiner zeitweisen Befürchtungen am Verheilen, und ich habe schon mehr geschafft, als ich bei meinem Start dachte.

In vielen Situationen habe ich Glück gehabt. Aber das gehört auch dazu, bzw. vielleicht war es auch nicht richtig Glück, sondern nur im richtigen Augenblick die Augen offen zu halten für die Chancen, mit denen man die Schwierigkeiten lösen oder umgehen kann, die sich bei so einem Unternehmen, oder überhaupt immer im Leben, ergeben. Und ich glaube, es ist auch ein Stück Lebenserfahrung, das es auch in einer vermeintlich ausweglosen Situationen immer doch weiter geht. Ausweglos bedeutet eher, der Weg ist noch nicht gefunden, als dass es ihn nicht gibt.

Aber jetzt werde ich etwas zu grundsätzlich. In so schlimme Situationen, dass ich sie als ausweglos bezeichnet hätte, bin ich während dieser Wanderung nicht geraten und werde es wahrscheinlich auch nicht, da es immer noch den Ausweg gibt, einfach nach Hause zu fahren und den Rest des Urlaubs zu Hause auf dem Sofa genießen. Diese Versuchung ist immer da, und jetzt habe ich auch schon so viel geschafft, dass es nicht mehr komplett peinlich wäre zu sagen, das war’s. Aber peinlich kann es eigentlich nie sein, zu erkennen, dass man geleistet hat, was man kann, überhaupt schon den Mut aufgebracht hat, los zu laufen, und dass irgendwann, aus welchen Gründen auch immer, eben die Möglichkeit das Unternehmen zu beenden, die Beste ist.

Aber warum mache ich mir gerade heute soviele Gedanken über Abbrechen, wenn der nächste Abschnitt vor der Tür steht? Heute Morgen haben uns nämlich Dorle und Peter informiert, dass sie nicht mehr weiterlaufen werden. Ich habe trotzdem und vielleicht auch gerade deswegen große Hochachtung vor dem beiden. Sie sind immerhin bis hierher gekommen und haben jetzt die für sie richtige Entscheidung getroffen. Auf diesem Weg noch mal vielen Dank an euch beide, Dorle und Peter, dass ihr einen Teil des Weges mit uns gegangen seid. Es war mit ein Vergnügen.

Es fällt mir noch rückblickend auf die erste Woche meiner Wanderung ein? Vielleicht dass ich überrascht bin, wie gut mein Körper, abgesehen von den Füßen, bislang alles mitmacht. Kein Muskelkater, keine Verspannungen im Rücken wegen des Rucksacks und konditionell bin ich eigentlich höchstens bei den ersten beiden Etappen, oder eigentlich nur bei der mit 37km in brütender Hitze längsten ersten Etappe, an meine Grenzen gekommen. Und vor allem, mein Knie, das mit vor Start am meisten Kopfschmerzen gemacht hatte, hat sich fast noch nie gemeldet. Alles gut also.

Eine weitere Erkenntnis, die ich über mich selbst gewonnen habe, ist die, dass das Alleinewandern für mich auf die Dauer doch nichts ist. Während der Vorbereitung habe ich es genossen, alleine durch die Wälder zu streifen, mein eigenes Tempo zu laufen, dann anzuhalten, wenn ich es will, und so weit zu laufen, wie ich mag. Ich empfand es eher als nervend, mich nach anderen richten zu müssen bzw. immer mal wieder warten zu müssen. Aber nach drei Tagen Alleinewandern war es mir dann doch zuviel der Einsamkeit. Immer nur seinen eigenen Gedanken nach zu hängen, keinen Input von anderen zu bekommen und niemand zu haben, mit dem man seine Freuden oder auch sein Leid teilen kann, macht mich auf Dauer depressiv.

So, das sind genug der Grübeleien. Zum Abschluss noch etwas handfestes, nämlich mein Tagesbericht. Hauptsächlich habe ich mir heute neue Wanderschuhe besorgt, da die alten mittlerweile so aussehen:

Meine sich auflösenden Wanderschuhe

Dann habe ich noch einen kleinen Stadtbummel durch Innsbruck gemacht, wo ich heute auch übernachte. Innsbruck hat wirklich eine sehr sehenswerte Altstadt mit vielen schönen, alten Gebäuden. Und besonders beeindruckend war für mich, dass sich dies alles in das Bergpanorama einfügt:

Kleine Collage mit Innsbruck-Bildern

Einen Track zum Nachwandern gibt es heute nicht.

Der erste Teil ist geschafft – zufrieden und gespannt

Gestern haben wir endgültig die Isar und das Isartal verlassen und sind heute im Inntal angekommen, womit der erste (und womöglich unkomplizierteste Abschnitt, aber dazu später mehr) unserer Tour beendet wäre. Damit bin ich weiter gekommen, als ich vor einer Woche und erst Recht vor drei Tagen gedacht habe. Dies ist vor allem der Verdienst meiner Mitwander*innen, Dorle, Peter, Vicki, Karsten, Claudia, Anni und Henning. Euch vielen Dank dafür. Wie es momentan aussieht, wird sich unsere Gruppe jetzt in mehrere aufspalten, was schade ist. Aber vielleicht treffen wir uns ja wieder.

Claudia, Vicki, Henning, Karsten und Annie (v.l.n.r.)

Aber heute sind Vicki, Karsten, Claudia, Anni, Henning und ich noch einmal zusammen gewandert. Die größte Herausforderung des Tages hat der letzte Winter gleich an den Anfang des heutigen Tages gestellt. Der Weg führte nämlich durch ein kleines Schneefeld, das zwar angeblich leicht zu überqueren war, aber vielleicht aufgrund der Regenfälle oder unserer Unerfahrenheit doch eine recht rutschige Sache war.

Beim Überqueren des Schneefeld

Aber wir sind gesund und vor allem erleichtert auf der anderen Seite angekommen und wurden dabei nur Mulde von diesem Zuschauer belächelt:

Eine Gams am Wegesrand

Mit Überschreitung des Lafatscher Jochs begann dann der lange, aber zumindest im ersten Teil überaus schöne Abstieg ins Inntal nach Hall in Tirol.

Ausblick vom Lafatscher Joch

Interessant an dem Abstieg von ungefähr 1500m war für mich besonders dass Durchqueren der verschiedenen Vegetationszonen. Von der kargen Hochgebirgslandschaft mit Geröll, Schnee und wenig Grün:

Blick auf den Wilde-Bande-Weg mit Schnee

Über den Bereich mit Latschenkiefern

Abstieg vom Lafatscher Joch

Vorbei an Bewiesen mit bunten Blumen

Frühlingsenzian mit Bienen

Unter größer werdenden Bäumen hindurch

Soviel sind wir schon abgestiegen

Und dann durch richtigen Wald

Gebirgsbach kurz vor St. Magdalena

Eine kurze Mittagspause haben wir dann in St. Magdalena mit seiner kleinen gotischen Kirche gemacht, bevor dann der restliche Abstieg nach Hall auf einer Straße zu bewältigen war.

Kirche St. Magdalena

Die Straße wir nicht so schön zu gehen und auch ziemlich steil, aber schließlich sind wir dann doch in Hall angenommen, wo auch ersteinmal alle auf das wieder vorhandene Internet stürzten, um Betten zu buchen, den weiteren Weg zu planen oder den lieben zu Hause ein Lebenszeichen zu schicken.

Eigentlich ginge die heutige Etappe noch weiter zur Glungezer Hütte, aber da die Schneesituation noch so unklar war bzw. einige sowieso einen Ruhetag eingeplant hatten, ist dann Keimnetz mehr weitergelaufen, sondern alle sind in Hall geblieben oder nach Innsbruck bzw. in die Area 47 (erinnerst du dich noch, Edina?) weitergefahren. Dorle und Peter haben wir übrigens auch wieder hier getroffen. Die beiden haben von Scharnitz, wo wir uns gestern von ihnen getrennt haben, nach Hall den Zug genommen.

In diesen Tagen muss ich oft an das Buch „Mit dem Zug durch die Alpen“ denken, das ich mir mit den Wanderführern ausgeliehen habe. Da, wir schon erwähnt, viele hochgelegene Wege noch nicht schneefrei sind, könnte sich die Wanderung vor allem in nächste Zeit auch in eine Zugfahrt verwandeln. Aber für die nächsten Tage Südharz es ersteinmal gar nicht so schlecht aus.

Ich habe mich jedenfalls auch ersteinmal in Hall einquartiert und werde morgen zunächst nach neuen Wanderschuhen Ausschau halten. Meine haben zwar die letzten Tage ganz gut durchgehalten, aber mir ist es zu riskant damit noch weiter zu wandern. Außerdem hoffe ich, dass es meinen Füßen vielleicht mit neuen Schuhen besser geht. Die sehen nämlich immer noch ziemlich ramponiert aus. Aber dazu muss ich wohl nach Innsbruck fahren, da ich hier noch kein einschlägiges Geschäft gefunden habe. Aber ich habe das Hotel hier sowieso nur für einen Tag gebucht.

Hall ist übrigens ein schönen Städtchen, hier ein kleiner Eindruck:

Hall vor der Kulisse des Karwendel

Zu guter Letzt noch der Track unserer heutigen Tour zum Nachwandern: Hallerangerhaus – Hall.

Die Flucht vor dem Wetter – eisig und gewittrig

Heute hat das Wetter doppelt zugeschlagen und sowohl unsere Planung als auch unsere Wanderung stark beeinflusst.

Aber alles der Reihe nach. Heute stand eigentlich die Überquerung des Schlauchkarsattels auf dem Programm, der bislang anspruchsvollste Abschnitt der München-Venedig-Wanderung. Aber da aufgrund des schneereichen und langen Winters, der Schnee dort oben immer noch nicht komplett abgeschmolzen ist, war er leider nicht zu begehen.

Die Alternative bestandt in einem 4-stündigen Abschnitt ins Tal nach Scharnitz und einem 5-6-stündigen Aufstieg zum Hallerangerhaus, auf dem wir jetzt sind (jeweils ohne Pause). Aber da das doch eine sehr große Wanderung gewesen wäre, entschieden wir uns ein Stück der Strecke mit dem Taxi zurückzulegen. Außerdem, und da kommt der zweite Einfluss des Wetters heute zu tragen, war für heute Nachmittag Gewitter angekündigt.

Was mir sehr gut im Karwendelhaus gefallen hat, war, dass um halb acht der Hüttenwirt erst einmal die Wettervorhersage für den nächsten Tag vorgelesen hat und dann individuell mit jedem einzelnen seine geplante Tour zu besprechen. Mit seiner Hilfe haben wir uns dann für die erwähnte Alternative entschieden.

So sind wir heute Morgen also um halb acht gestartet zu einem dreistündigen Abstieg in Richtung Scharnitz. Der Weg führte auf einer Forststraße ins Tal, die bequem zu gehen war. Wir wanderten heute recht zügig an einem Bach entlang, der immer wieder von Wasserfällen gespeist wurde, an Wiesen vorbei mit bunten Blumen und ebensolchen Schmetterlingen, und über Almen mit kuhglockenläutendem Lärm samt Kühen.

Stefan vor einem Wasserfall
Blumen mit Schmetterling

Einer der Kuhhirten erzählte uns, dass es im letzten Winter hierb fast 10m Schnee gehen hätte, der auch zusammengesackt noch eine 3,50m dicke Schneedecke ergeben hätte und dass es erst im Mai begonnen habe zu tauen. Dafür wäre es jetzt so heiß wie noch nie, selbst auf 2000m Höhe über 20 Grad und so trocken, dass es morgens nicht einmal mehr Tau gäbe.

Nach 3 Stunden kamen wir dann an das Taxischild, wo es Mobilfunk-Empfang gab und wir das Taxi bestellen könnten, das und dann zur Kastenalm brachte. Aber schon bei der Ankunft dort gab es den ersten Donner und der Himmel bezog sich langsam bedrohlich zu, weswegen der folgende Aufstieg hier hoch, dann ein reiner Wettlauf gegen das Gewitter wurde. Aber um es kurz zu machen: Wir haben gewonnen!

Zwischendurch, nachdem sich der Himmel schon dunkel verfinstert hatte, kamen schon die ersten Regentropfen. Da wir in diesem Moment gerade an einer privaten Hütte vorbeikamen, haben wir uns dort ersteinmal unter das Vordach gesetzt und wollen den Regen abwarten. Aber er zog erst nocheinmal vorbei, so dass wir bald schon wieder weiterlaufen konnten. Aber so sind wir wenigsten zur einzigen halbwegs richtigen Pause heute gekommen.

Gewitter im Anmarsch

Was ich noch vergessen habe zu erwähnen, war, dass wir uns in Scharnitz vorerst von Peter und Dorle getrennt haben, die in Scharnitz eine Übernachtung einlegten wollten und erst morgen zum Hallangerhaus weitergehen.

So waren wir also schon so gegen 14 Uhr auf der Hütte und hatten noch den ganzen Nachmittag vor uns. Diesen verbrachten wir mit essen, schlafen und spielen (Mensch ärgere dich nicht). Übrigens bald nachdem wir ankamen, fing es dann tatsächlich zu regnen und zu gewittern an.

Morgen soll das Wetter den ganzen Tag wieder unbeständig sein, so dass uns morgen der Regen wahrscheinlich doch noch einholen wird. Außerdem wird auch der langen und schneereiche Winter den weiteren Verlauf des Weges sehr stark beeinflussen, da viele hochgelegenen Sättel etc. noch nicht begehbar sind.

Aber zuerst wird sich unsere Gruppe zum Ende des ersten Abschnitts auflösen, da wir jetzt vorerst unterschiedliche Pläne haben. Eigentlich ist das schade, den es war eine angenehme Gruppe und ohne die erste ich vielleicht hat nicht so weit gekommen. Aber vielleicht treffe ich ja die eine oder andere wieder auf diesen langen Weg.

Ich werde jedenfalls morgen in Hall auf Shopping-Tour nach neuen Wanderschuhen gehen und am Mittwoch einen Ruhetag einlegen, an dem ich das weitere Vorgehen planen werde und auch die versprochenen Bilder hochladen werde.

Hier schon einmal der erste Teilabschnitt von heute: Karwendelhaus-Scharnitz. Der zweite folgt dann morgen.

Die Gruppe wird größer – heiter und bewegt

Heute war ein rundum schöner Tag und auch der bislang am wenigsten anstrengendste, aber vielleicht war er ja deswegen der bislang schönste, wobei die Tage bislang eigentlich alle schön waren, nur die Abende waren nicht immer so schön, wenn die Zweifel mit den Schmerzen wuchsen.

Unsere Wandergruppe ist mittlerweile, wie gestern schon erwähnt, auf 8 Personen angewachsen, wobei Viki heute mit einer Freundin alleine gewandert ist und wir Dorle und Peter nur zeitweise getroffen haben. Ich bin also heute hauptsächlich in einer 5er-Gruppe mit Claudia, Carsten, Annika und Henning gewandert.

Aber Wandern stimmt heute nicht so ganz, denn am 5. Tag meiner großen Wanderung bin ich das erste Mal ein Stück mit dem Bus gefahren. Die Verlockung war einfach zu groß, der Weg ging sowieso nur an der Straße entlang (ein Hatscher, wie es der Wanderführer nennt), der Bus fuhr zu einer günstigen Zeit und es war der heißeste Tag des Jahres angekündigt.

So fuhren wir also nach dem Frühstück mit dem Bus von Vorderriß nach Hinterriß, obwohl fast der gleiche Name zu unterschiedlichen Staaten gehörend, nämlich Vorderriß zu Deutschland und Hinterriß zu Österreich. Dort starteten wir dann unser Wanderung zum Karwendelhaus. Leider sind wir zwei Bushaltestellen zu weit gefahren, so dass wir nicht den im Wanderführer beschrieben wandern konnten, sondern, zumindest das erste Stück, einen anderen, der aber genauso zum Ziel führte. Und bestimmt genauso schön war.

Der Weg führte immer bergauf zuerst an einem rauschenden, wilden Gebirgsbach entlang, dann über bunt blühende Bergwiesen mit blauem Enzian und immer wieder phantastische Ausblicke auf die umliegenden Berge.

Gebirgsbach
Enzian
Blick auf den Karwendel

Rast machen wir auf dem kleinen Ahornboden, einer großen Bergwiese mit schattenspendenden Ahornbäumen. Hier ereignete sich übrigens folgende Geschichte. Peter, der übrigens schon über 70 ist, klagte schon länger darüber, dass sein Rucksack wahrscheinlich zu schwer wäre und dass er etwas zurückschicken solle. So quälte er sich auch heute wieder in der Hitze den Berg hoch. Unterwegs wurden er und Dorle jedoch von einem Auto mit zwei Frauen überholt – der Weg führte heute die erste Hälfte auf einer Forststraße entlang -, das Dorle anhielt, um die beiden Frauen zu fragen, ob sie Peters Gepäck ein Stück mitnehmen könnten. Doch sie boten ihnen gleich an, Peter sollte ein paar Sachen aussortieren, die sie in ein Packerl Packen würden und zu ihm nach Hause schicken würden. Also wurde schnell unter der Aufsicht der Wandergruppe ein paar weniger wichtige Dinge identifiziert, die den Frauen gleich mitgegeben wurden.

Ich sollte mir auch überlegen, ob ich, wenn ich morgen oder übermorgen in einer Stadt bin, um mir neue Schuhe zu kaufen, nicht auch ein paar Sachen zurückschicke. Ich kann meinen Rucksack zwar gut tragen, aber sicherlich gäbe sich da auch noch das eine oder andere, das nicht unbedingt nötig ist. Naja, mal sehen, ob ich mich von etwas trennen kann.

Jedenfalls, sind wir nach ungefähr fünf Stufen Wanderung hier am Karwendelhaus geben halb drei angekommen. Und im Gegensatz zu den vorherigen tragen fühlte ich mich noch richtig fit. Aber das war heute ja auch eine eher kurze Wanderung. Es ist schon interessant, wie sich die Verhältnisse doch relativ schnell verschieben können. Vor eine Woche wäre eine fünfstündige Wanderung bei mir noch unter „eher lang“ durchgekommen.

Jetzt bin ich aber wieder müde und werde deswegen meinen Tagesbericht hier beenden. Bilder gibt es heute leider wieder nicht, da es hier nur an einem Punkt mit etwas Glück Mobilempfang gibt, der so schwach ist, das an ein Senden von Bildern gar nicht zu denken ist. Auch kann ich diesen Artikel erst morgen früh abschicken, da ich keine Lust habe nochmal aufzustehen. Dieser eine Punkt ist nämlich auffallend rot markiert vor dem Eingang der Hütte.

Freudiges Besteigen der Berge – anstrengend und schön

Da es gestern auf der Tutzinger Hütte auf der ich die Nacht verbracht habe, kein Internet gab, heute wieder der Bericht für 2 Tage. Heute schlafe ich im Haus zur Post in Vorderriß, das zwar ein Stadtteil von Lenggries ist, aber selbst mit dem Bus nur in 45 Minuten zu erreichen ist. Und zu Fuß braucht man zwei Tage, zumindestens, wenn man den direkten Weg über die Berge geht, wie ich und noch einige andere, die sich heute Abend hier getroffen haben.

Schon seit Wolfratshausen ist mir immer wieder eine Frau aufgefallen, von der ich dachte, dass sie bestimmt auch den gleichen Weg wie ich geht. Oder fast den gleichen, da ich sie immer wieder überholt habe, ohne dass sie mich überholt hat, was eigentlich nur geht, wenn sie teilweise einen anderen Weg gegangen ist. Mittlerweile kenne ich auch ihren Namen, sie heißt Vicki und ist tatsächlich auch auf dem Weg nach Venedig.

Außerdem habe ich gestern noch Dorle und Peter getroffen, denen ich beim Finden des richtigen Weges behilflich sein konnte und auf der Tutzinger Hütte habe ich gestern Abend noch mit Carsten aus Chemnitz und Claudia aus Dresden zusammengesessen, die auch auch auf dem Weg nach Venedig sind und mit denen ich heute den ganzen Tag zusammen gewandert bin. Heute Abend sind dann noch Annika und Henning zu und gestoßen, die aber ein Zelt mithaben und bislang gezeltet haben, heute aber mal in einem richtigen Bett schlafen wollen.

Der Weg gestern ging ersteinmal wieder an meiner alten Bekannten, der Isar, entlang. Im Unterschied zu den Tagen zuvor, sah man aber von Anfang an die Berge bzw. um genauer zu sein den Isarwinkel, dessen Berge ich gestern und heute erkundet habe.

Der Isarwinkel von der Isar aus gesehen

In Lenggries verließ ich dann die Isar und begann mit dem Aufstieg auf das Brauneck. Im Anbetracht der Gondelbahn war ich stark versucht statt hoch zu laufen mit der Bahn zu fahren. Aber schon gleich beim ersten Berg zu kneifen, erschien mir dann doch sehr schwach. Also bin ich den Skihang von Lenggries hochgestiegen. Teilweise war dieser so steil, dass ich selbst unter Einsatz meiner Suche kaum hochgekommen bin, aber immer wieder belohnten großartige Aussichten auf das Tal und die anderen Berge für die Mühen. Und natürlich erfüllte es mich immer wieder mit Stolz im Rückblick zu sehen, es ich schon geschafft hatte.

Blick zurück ins Tal

Auf dem Gipfel angekommen wollte ich dir dann eigentlich eine längere Rast machen. Aber da der Gipfel gleichzeitig eine Kuhweide mit den entsprechenden Hinterlassenschaften war, die allerlei unangenehme Insekten anrufen, hielt ich es dort nicht lange aus und wanderte dann weiter.

Blick vom Brauneckgipfel

Das nächste Stück des Weges führte dann auf dem Gebirgskamm entlang, wo es immer wieder Gipfel mit Gipfelkreuzen gab, auf die man teilweise auch noch gleich hochsteigen konnte, um die atemberaubende Aussicht auf das Alpenpanorama genießen zu können, z.B. auf das Wettersteingebirge mit der Zugspitze und den Karwendel, der morgen unser Ziel sein wird.

Dann konnte man entweder weiter an den Kamm entlang wandern, über die Achselköpfe, einen Weg der schwarzen Kategorie, der laut Wanderführer aber eine gute Trainingsstrecke vor die kommenden Herausforderungen sein sollte, oder einen blauen Weg. Ich entschied mich für den schwarzen. Im Prinzip war er gut zu gehen für mich, aber meine Füße schmerzten immer mehr, so dass der abschließende Abstieg zur Tutzinger Hütte zur reinsten Qual wurde. Meine Blasen und wundgeriebenen Stellen werden immer schlimmer, obwohl ich sie mir Blasen- und anderen Pflastern dick eingepackt habe. Aber bei der Hitze lösen sich alle Pflaster schnell in den Socken wieder vom Fuß ab. Am Abend hätte ich am liebsten alles hinbeschmissen und wäre heute nach Hause gefahren. Aber selbst dazu hätte ich heute ersteinmal wieder ins Tal steigen müssen. Zum Glück habe ich dann noch mit Claudia und Carsten zusammengesessen, was meint Stimmung dann etwas aufgehellt hat. Vielen Dank Carsten und Claudia.

Heute ging es dann nach dem Frühstück ersteinmal wieder bergaufwärts Richtung Benediktenwand, unterhalb derer die Tutzinger Hütte liegt. Der Weg führte aber nicht auf den Gipfel hinauf, und zu dem Abstecher hatte keiner Lust, so dass es erst einmal wieder ins Tal, nach Jachenau ging. Die Highlights dieser ersten Hälfte des heutigen Tages waren, neben den immer wieder möglichen Aussichten auf die Bergwelt, der Wasserfall von Jachenau, an dem es auch eine Badestelle gab, die wir aber nicht genutzt haben. Im Ort Jachenau haben wir im örtlichen Schützenhaus ersteinmal unsere Tanks, sowohl den Akku meines Telefons, als auch unsere Wasserflaschen und natürlich unsere Bäuche mit einem kühlen Getränk, aufgefüllt. Deshalb beginnt der Track meiner heutigen Tour auch erst hier: Jachenau-Vorderriß.

Der Wasserfall von Jachenau

Die zweite Hälfte des Tages war dann dem Aufstieg zum Rißsattel und dem daran anschließenden Abstieg nach Vorderriß gewidmet. Während es in der ersten Tageshälfte mit meinen Füßen noch ganz gut ging, wurde es auf der zweiten Hälfte zunehmend schlimmer. Jeder Schritt schmerzt und man weiß gar nicht mehr, wie man seine Zehen und den die im Schuh hinzurechnen soll. Leider war der Tag diesbezüglich nicht schön. Aber auch auf dieser Zeiten Tageshälfte hab es wieder schönes zu sehen. Vom Rißsattel konnte man auf das Tal des fast ausgetrockneten Rißbach schauen, ein interessanter Anblick.

Blick aufs Rißtal

Leider musste ich bei der kurzen Rast, die wir vor dem beschwerlichen, weil sehr steilen Anstieg noch einlegten, gestellten, dass meine Wanderschuhe sich beginnen aufzulösen: die Sohle beginnt abzugehen. Beate: Du erinnerst dich… Jetzt muss ich also ersteinmal sehen, wie ich zu neuen Schuhen komme, in denen sich meine Füße hoffentlich auch besser fühlen. Mein erster Impuls war, einfach nach Hause zu fahren, sich ersteinmal auszukurieren, neue Schuhe zu kaufen und dann vielleicht noch einmal einen neuen Anlauf zu wagen. Aber ich weiß nicht, ob ich mich noch einmal überwinden könnte. Die zweite Idee war mit dem Bus nach Lenggries zurückzufahren und dort nach neuen Schuhen zu schauen, aber morgen ist Sonntag, da werde ich wahrscheinlich nichts bekommen. Deshalb ist mein Plan jetzt, wir ursprünglich geplatzt morgen zur Karwendelhütte zu wandern, aber dabei ein Stück bis zu fahren, um Spiel mein Füße als auch meine Schuhe etwas weniger zu strapazieren. Dann am Montag vom Karwendelhaus nach Scharnitz zu wandern oder zu fahren, von wo man dann mit dem Zug in eine Stadt fahren kann, um neue Schuhe zu kaufen und auszuruhen.

Zum Abschluss nach all den Hiobsbotschaften noch etwas versöhnliches: Der Abend mit den anderen Venedig-Wanderern war sehr schön. Sich über die unterschiedlichen Motivationen und Pläne zu unterhalten, sich über Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen und etwas Trost zu meinem Gejammer zu erfahren, ließ den Tag versöhnlich ausklingen.

Erwartungsvolle Ankunft in Bayern – hitzig und bissig

So, nachdem ich gestern viel zu k.o. war, um noch etwas schreiben zu können, werde ich heute gleich erzählen, was mir die letzten beiden Tage widerfahren ist.

Gestern Morgen bin ich also wie geplant in München angekommen, obwohl – den ersten kleinen Aufreger hab es schon in der S-Bahn von München-Pasing zum Marienplatz. Als die Bahn nämlich im Münchner Hauptbahnhof einfuhr, empfing uns eine Sirene: Feueralarm – bitte verlassen Sie umgehend den Bahnhof. Bis die Fahrgäste aber die Durchsage verstanden hatten, waren die Türen schon wieder zu und verriegelt, die Bahn fuhr aber nicht los. Einige würden schon etwas hektisch, die meisten blieben aber ruhig, anscheinend kommt hier so etwas öfter vor. Nach ein paar Minuten (!) kam dann die Durchsage, dass sich die Weiterfahrt noch etwas verzögere, du noch eine Defekte Bahn das Gleis blockiere. Aber bald danach ging es dann auch weiter.

Dann war ich also am Marienplatz, wo mein großes Abenteuer beginnen sollte:

Das neue Rathaus von München am Marienplatz

Und das Abenteuer begann damit, überhaupt erstmal den richtigen Startpunkt bzw. – noch wichtiger – die richtige Richtung herauszufinden. Im Wanderführer Strand nur lapidar: Richtung Osten (Straße Tal). Nur wo ist Osten und wo die Straße Tal? Zu allen Überfluss zeigte der Kompass in meinem Smartphone mal wieder alles andere an als die richtige Himmelsrichtung, und sowohl die Karte in meinem Wanderführer als auch die in meiner Wander-App waren zu grob, um das genau erkennen zu können. Machen ich alsob erst einmal um den halben Platz geirrt bin, um die Straße Tal zu finden, nahm ich dann doch Google Maps, um endlich los wandern zu können.

Dann war der Weg ersteinmal einfach: Am Deutschen Museum vorbei:

Das Barometer am Deutschen Museum

Und dann immer an der Isar entlang bis zum Tierpark Hellabrunn:

Isar als Strandbad mitten in München

Das ist schon toll an München. Mitten in der Stadt kann man immer mal wieder in der Isar baden, sich sonnen oder einfach beim sanften Rauschen des Flusses meditieren. Schade, dass das am Neckar in Heidelberg nicht möglich ist.

Wir auch immer: Beim Beobachten des Flusses und der an ihm Erholung und Entspannung suchenden, kann ich so richtig in den Wander-Flow, so dass ich gar nicht mehr so genau auf den Weg achtete. An den Neptun kann ich mich noch erinnern, aber nachdem ich dann schon über eine Stunde unterwegs war und den Pluto immer noch nicht gesehen hatte, kann mir das schon etwas merkwürdig vor, soweit ist er doch auch wieder nicht weg (wer wissen will, es es mit Neptun, Pluto und den anderen Planeten auf sich hat: Der Planetenweg geht vom Deutschen Museum zum Tierpark und stellt die Entfernungen der Planeten maßstabsgerecht dar). Jedenfalls habe ich weder Pluto noch den Tierpark bewusst wahrgenommen und ein Blick auf die Karte zeigte mir, dass ich schon zwei Kilometer an der Brücke vorbeigelaufen bin, die ich zur Überquerung der Isar hätte nutzen sollen. Zum Glück war paar Meter weiter eine Eisenbahnbrücke in die Karte eingezeichnet und – tatsächlich – unterhalb der Brücke gab es auch einen Fußgängerüberweg:

Eisenbahnbrücke über die Isar (meine Rettung)

Im weiteren Verlauf der Wanderung gibt es wenig zu berichten. Der Weg führte immer an der Isar entlang und immer wieder luden schöne Stellen zum Rasten oder Baden ein. Da ich aber insgesamt 35km bis Wolfratshausen laufen musste, erst um halb 11 losgelaufen bin und gerne um 20 Uhr ankommen wollte, konnte und wollte ich mir die Zeit nicht nehmen.

Der Weg, den ich gegangen bin, war übrigens ein Teil des Münchner Jakobsweg. Viele Grüße an Mechthild:

Wegweiser zum Kloster Schäftlarn mit Jakobsmuschel

Erst bei ungefähr der Hälfte der Strecke, am Georgsstein – ein in den Fluss gefallener Felsen, auf dem jetzt ein Bild des hl. Georgs ist – legte ich eine kleine Mittagspause ein:

Stefan vor dem Georgsstein

Am Georgsstein musste ich aber feststellen, dass ich vielleicht doch besser das Anti-Brumm mitgenommen hätte. Beim Packen meinte Beate noch, ob ich es nicht mitnehmen wollte, worauf ich erwiderte, das es in den Bergen keine Mücken gäbe. Des letzteren bin ich mir gar nicht mehr so sicher, aber sicher weiß ich, dass es an der Isar unzählige gibt. Sobald man stehen bleibt, wird man sofort von einem ganzen Schwarm angefallen. So schnell kann man gar nicht alle totschlagen, wie neue kommen.

Und wenn wir schon beim Negativen sind, das zweite, was mir zu schaffen gemacht hat, war die Hitze. Sicherlich war der Tag gestern (und der heutige natürlich auch) keine idealen Tage zum Wandern. Ich hatte reichlich 2,5l zum Trinken mit, aber irgendwann waren die all. Zu meiner Rettung kam ich aber, kurz nachdem ich den letzten Tropfen aus meiner Fläche rausgesaugt hatte, an einem Wanderparkplatz mit Toilette vorbei, in der es fließendes Wasser gab! Beim Füllen der Flaschen merkte ich erst, wie ausgetrocknet ich schon war: ich habe alles ersteinmal wieder ausgetrunken und wieder neu befüllt, bevor ich dann weiterwanderte.

Das Ziel meiner gestrigen Wanderung war übrigens Wolfratshausen, eine alte Flößerstadt. Noch heute werden dort Flöße zusammengebaut, auf denen dann Touristengruppen flussabwärts geflößt werden:

Kurz vor Wolfratshausen sah man auch das erste Mal ganz schwach die Berge an Horizont:

Blick aus Wolfratshausen und die Berge im Hintergrund

Leider war die Sicht heute auch nicht viel besser, obwohl ich heute etwas näher an die Berge rangekommen bin. Es ist wohl zuviel Saharastaub in der Luft.

Die gestrige Etappe zum Nachverfolgen: München-Wolfratshausen

Nun zu heute. Das Unangenehmste zuerst: Die Hitze war heute nicht besser. Von der Temperatur war es wohl etwas weniger heiß, aber heute kam es mir viel schwüler vor.

Der Weg ging heute wieder am der Isar entlang, nachdem das letzte Stück gestern an der Loisach entlang führte, die vor Wolfratshausen in die Isar mündet. Wobei man heute, zumindest das erste Stück, kaum von Weg reden kann, eher von einem Pad, der sich durch einen dichten Kiefern- und Fichtenwald mit vielen kleinen, stacheligen Jungkiefern und -fichten schlängelte.

Während ich mich gestern nur einmal verlaufen hatte, habe ich mich heute gleich zweimal verlaufen. Wobei – das zweite Mal hat sich im Nachhinein als nicht richtig Verlaufen aufgeklärt. Ich bin nämlich immer der Ausbildung des Weges gefolgt, mein Wanderführer schlug aber eine Alternative vor, die einfacher zu gehen wäre. Aber das war mir zu dem Zeitpunkt, als ich mal wieder auf mein Navi schaute und feststellte, dass ich den Abzweig schon einen Kilometer verpasst hatte, noch nicht bewusst. Da ich keine Lust hatte, wieder umzukehren, suchte ich mir auf der Karte einen Weg, wie ich wieder auf meinen eigentlichen Weg stoßen könnte, ohne zurückzugehen und ohne einen zu großen Umweg zu machen. Aber für die nächsten Tage muss ich besser werden beim Folgen des Weges.

Heute wurde die Strecke auch langsam hügeliger. Es gab immer mal wieder Stellen, bei denen man das Ufer der Isar verlassen musste, um auf höheren wezgen weiterzugehen, von denen man oft schöne Aussichten hatte.

Blick auf die Isar

Das letzte Stück heute ging dann über offenes Hügelland auf kleinen Straßen, von wo man eigentlich einen guten Blick auf die Berge haben sollte. Da aber, wir schon oben erwähnt, die Sicht nicht so gut war, dafür die Hitze und die Sonne umso stärker, war dieser Abschnitt nicht so angenehm.

Angenehm bzw. sogar ausgesprochen schon war dann das Ziel meiner heutigen Etappe: Bad Tölz. Schön an der Isar vor dem Panorama der Berge gelegen, haben mir vor allem die Häuser mit ihrer bunten Bemalung, der sogenannten Lüftlmalerei, gefallen.

Blick von Bad Tölz auf die Berge
Lüftlmalerei in Bad Tölz

Und zu guter Letzt habe ich mir ein Hotel mit Schwimmbad geleistet, in dem ich mich dann noch etwas entspannt habe.

Morgen geht es dann endlich in die Berge. Ich bin gespannt, wie das werden wird. Die Hütten für die nächsten zwei Nächte habe ich jedenfalls schon reserviert. Jetzt muss ich nur noch dort ankommen. Außerdem hoffe ich, dass die Hitze vielleicht etwas nachlässt, wenn ich höher steige.

Und hier noch die Tour von heute zum Nachverfolgen: Wolfratshausen-Bad Tölz

Vorspiel zum ersten Akt

So, jetzt sitze ich wieder im Zug, diesmal in den nach München, von wo aus mich mein Weg jetzt in den nächsten 5 Wochen Richtung Süden über die Berge nach Venedig führen wird.

Die letzten Tage waren damit ausgefüllt, zuerst einmal wieder Zuhause anzukommen, vor allem unser Bett zu waschen (leider hat unsere Katze unsere Abwesenheit dazu genutzt, unser Bett als Katzenklo zu benutzen) und natürlich noch die letzten Stücke für meine Ausrüstung zu kaufen und meinen Rucksack zu packen. Auf dem Bild oben könnt ihr sehen, was ich alles mitnehmen werde. Mein Ziel war, dass mein Rucksack maximal ungefähr 10 kg ohne Essen und Trinken wiegen sollte. Das habe ich erreicht. Das Wiegen ergab 9,5 kg. Dazu kommen noch ungefähr 3,5 kg Essen und Trinken (hauptsächlich Trinken heute bei den vorhergesagten Temperaturen), so dass ich insgesamt 13 kg tragen muss. Mal sehen, wie ich damit zurecht komme und was ich alles vergessen habe bzw. nicht brauchen werde.

Übrigens eine kleine Anekdote am Rande: Auf meine Mail gestern hat mir meine Cousine als erfahrene Wandererin gleich mit ihrer über die Jahre gewachsenen Packliste geantwortet. Und tatsächlich: ich konnte noch etwas finden, was gefehlt hat, die Stirnlampe, die ich eigentlich mitnehmen wollte, hatte ich vergessen einzupacken, was ich natürlich gleich nachgeholt habe. Vielen Dank, Sonja!

Eine weitere Frage, die ich gestern als Feedback auf meine Mail bekommen habe, war übrigens die nach dem Weg, den ich zu gehen gedenke. Ich werde auf dem Traumpfad von München nach Venedig wandern. Alternativen, die ich bei der Vorbereitung erwogen habe, waren der E5 von Konstanz nach Verona bzw. die Tour Zugspitze-Gardasee. Nach dem Studium der Reiseführer habe ich mich dann für München-Venedig entschieden, da mir dieser Weg am einfachsten erschien und außerdem München und Venedig als Start- bzw. Zielpunkt besonders attraktiv für mich waren. Und nicht zuletzt war eine Reportage von zwei Journalisten, die ihre Erlebnisse auf genau diesem Weg beschrieben haben, der Anlass für mich, meine lang gehegte Idee einer Alpenüberquerung zu Fuß endlich Realität werden zu lassen.

So bin ich jetzt also auf dem Weg nach München, um genau zu sein zum Marienplatz, wo der offizielle Startpunkt ist, und hoffe in 5 Wochen auf dem Markusplatz zu stehen. Interessant ist, dass ich es in den letzten Wochen kaum abwarten konnte endlich los zu laufen, besonders beim Studium der Streckenbeschreibungen und den sonstigen Vorbereitungen. Aber je näher der Tag des Aufbruchs rückte, desto mehr wuchsen in mir die Zweifel, ob ich mir nicht zu viel vorgenommen habe, ob ich das überhaupt schaffen werde, besonders ob meine Knie das aushalten werden. Ja, ich steigerte mich teilweise sogar regelrecht in eine Angst hinein, zu versagen und ganz kleinlaut vorzeitig mein Unternehmen abbrechen zu müssen. Aber wie auch immer es ausgehen wird: ich habe es wenigstens versucht und auf alle Fälle werde ich an Erfahrungen gewinnen.

Die erste Erfahrung heute wird sicherlich die Hitze sein. Dass ich mir gerade den heißesten Tag des Jahres als Starttag ausgesucht haben werde, konnte ich bei der Planung natürlich noch nicht wissen. Ich hatte eher damit gerechnet, dass ich vielleicht zu früh im Jahr aufgebrochen sein würde, das noch nicht alle Wege schneefrei wären und ich zu dünn angreifen sein werde. Das kann zwar alles noch kommen, schließlich sind die höchsten stellen meiner Route über 2900m hoch und es wird wahrscheinlich nicht die ganzen nächsten 5 Wochen so heiß bleiben. Aber ersteinmal wird eine Hitzeschlacht abgesagt sein, und das gerade auf der ersten Etappe, die besonders lang ist und sich auch noch eher im Flachland bewegt – die Strecke führt übrigens an der Isar entlang flussaufwärts nach Wolfratshausen. Solche Szenarien habe ich mir eher für die letzten Etappen vorgestellt, wenn es Ende Juli durch das Veneto auf langen Flachetappen gen Venedig geht. Aber da meine Zeit nach hinten begrenzt ist, wollte ich jetzt den Start auch nicht verschieben. Und wenn es mir gar zu heiß wird, besteht ja immer noch die Möglichkeit ein Stück mit der S-Bahn zu fahren.

Und jetzt werde ich ersteinmal das Bord-WLAN des ICE nutzen, um mir die Alpensinfonie von Richard Strauss runterzuladen und mich auch musikalisch einzustimmen. Nachdem ich als Jugendlicher ein großer Anhänger der symphonischen Dichtungen von Strauss war, gefiel mir irgendwann diese Musik nicht mehr und ich habe eigentlich Strauss nicht mehr gehört. Aber aus aktuellem Anlass passt das natürlich ganz gut und vielleicht gefällt es mir wieder.