Heute habe ich meine erste Schneewanderung im Sommer absolviert. Gestern mussten wir ja auch teilweise über kleine Schneefelder gehen, aber heute ging mehr oder weniger die komplette erste Hälfte über Schnee. Das war schon eine ungewohnte Erfahrung, im T-Shirt bei vielleicht 20 Grad und strahlendem Sonnenschein durch Schnee zu wandern.

Die größte Herausforderung dabei war aber den richtigen Weg zu finden. Da hier im baumlosen hochalpinen Gebiet die Wegmarkierungen typischerweise auf irgendwelche Felsen Gehalt sind, ist es schwierig den richtigen Weg zu finden, wenn sie markierten Grüßen unter Schnee versteckt liegen. Da wir heute aber nicht die einzigen und auch nicht die ersten waren, konnten wir uns weitgehend nach den vor uns laufenden richten und sie erst einmal in die Irre laufen lassen und dann, nachdem sie den richtigen Weg gefunden hatten, ihnen einfach folgen.
Ganz einfach war es trotzdem nicht, da ich immer mal wieder eingebrochen bin, da ein Hohlraum über der Schneedecke war, oder ich auf dem Schnee ausgerutscht bin. Aber so schlimm, dass es richtig gefährlich wurde oder dass ich die am Donnerstag in Innsbruck erworbenen Spikes hätte einsetzen wollen, war es nicht.
Die einzige Stelle, an der ich mich nicht so wohl gefühlt habe, war kurz nach dem Überschreiten des Geierjochs, wo es ein steiles Schneefeld bergab ging statt bergauf und keine richtig gute Umgehungsmöglichkeit gab. Dort sind viele einfach runtergerutscht, es ich eigentlich wollte, aber am Ende unfreiwilliger Weise doch getan habe.
Am Geierjoch hat man einen schönen Block auf den Junssee, der im Wanderführer in strahlendem Blau abgebildet ist. Wir fahren ihn heute etwas anders. Da er noch teilweise zugefroren ist, sah er weiß aus mit ein paar himmelblauen Adern durchzogen. Ein sehr schöner Anblick.

Die Wanderung heute begann im wahrsten Sinne des Wortes tierisch. Zuerst mussten wir, gleich nach dem Start von der Lizumer Hütte, über eine Kuhweide. Dort begleiteten und die Kühe ein Stück und eine doch kurz an der Freiheit, bevor Henning doch noch rechtzeitig den Zaun wieder schloss. Gleich nach der Kuhweide kann eine Murmeltierwiese. Heute konnte ich tatsächlich auch mal ein Murmeltier mit eigenen Augen sehen. Ich war überrascht, wie wenig scheu sie waren. Ich kam bis auf wenige Meter am eines heran, um es zu fotografieren. Es ließ sich kein bisschen aus der Ruhe bringen. Heute Abend am Tuxer-Joch-Haus kann man übrigens die Murmeltiere noch viel besser beobachten, da auf der Wiese um die Terrasse der Hütte ganz viele wohnen und man sie so in aller Ruhe beobachten kann.

Das letzte Ereignis des heutigen Tages war ein kleines Gewitter, das wir glücklicherweise wieder gut geschützt auf der überdachten Terrasse der Hütte, erkennen können mit anschließendem Regenbogen vom Tal über die Berge.
Wie wird es morgen weitergehen? Auf dem Programm steht eigentlich das Überschreiten der Friesenbergscharte, ein weiterer Höhepunkt dieser Wanderung und fast die höchste Stelle des Traumpfades. Wie schon erwähnt ist die Friesenbergscharte auch bei normalem Sommerwetter schon eine Herausforderung. Momentan kommt noch der Altschnee dazu und evtl. das schlechte Wetter, das für morgen angekündigt ist. Da auch im Wanderführer vor diesem Weg bei schlechtem Wetter gewarnt wird, ist schon klar, das wir bei schlechtem Wetter definitiv die Alternativvariante mit kurzem Wandern nach Hintertux, dann Busfahren nach Mayrhofen und erinnert weiteren kurzen Wanderung zur Olperer Hütte wählen werden. Sollte das Wetter entgegen der Vorhersage morgen doch gut sein, werden wir noch einmal diskutieren müssen, wobei ich auch nach der Aussage des Hüttenwirts eher auch dann zum Busfahren tendiere, obwohl auch ich es schade finde, wenn jetzt schon die zweite Königsetappe den Verhältnissen zum Opfer fallen sollte. Aber dann soll es eben so sein.
Letzten Endes haben wir ja bei den letzten beiden Etappen schon Glück gehabt, dass sie jetzt gerade, als wir kamen, begehbar wurden. Überhaupt Glück und Pech. Oft sind beide gar nicht so weit voneinander entfernt. Oft sind sie viel weniger Gegensätze als viel mehr unterschiedliche Sichtweisen auf die gleiche Sache. War es z.B. Pech, dass meine Schuhe kaputtgingen, oder Glück, dass ich dazu zum Kaufen von neuen Schuhen und einem Ruhetag gezwungen wurde? Oder war es Pech, dass noch so viel Schnee liegt, oder Glück, weil wir so auf dem Traumpfad ganz anderes sehen als beschrieben und gelernt haben, immer y Schneefelder zu wandern? Es ließen sich sicherlich noch viele Beispiele dafür finden, wo das Pech nur die Voraussetzung für neues Glück ist.
Und wie immer zum Schluss noch unsere heutige Route: Lizumer Hütte – Tuxer-Joch-Haus
















































