Heute schreibe ich den Bericht für den gestrigen Tag erst am Morgen. Denn gestern Abend war ich damit beschäftigt, den Rest meiner Wanderung zu planen, insbesondere Hotels zu buchen. Es war hat nicht so leicht, etwas zu finden, was halbwegs an der Strecke liegt und auch noch bezahlbar war. Jetzt habe ich aber für jeden Tag eine Unterkunft und auch ein Rückfahrticket für Freitag Nacht von Venedig nach München. Die Entscheidung ist also gefallen, bis nach Venedig durchzulaufen.
Ich denke, so macht es die Sache runder, auch wenn es wahrscheinlich noch einmal eine Hitzeschlacht wir am Anfang werden wird. Aber schließlich wollte ich nach Venedig wandern und bin schon mehr Bus gefahren, als ich am Anfang gedacht habe.
Unter anderem sind wir auch fragen Bus gefahren. Aber das war von Anfang an geplant, da gestern der Klettersteig durch die Schiara auf dem Programm gestanden hätte, den ich aber schon von Anfang an abgewählt hatte. Aber gestern hat es mich dann doch gejuckt. Interessant wäre es bestimmt gewesen und andere, die ihn machen wollten, habe ich jetzt auch nicht als fitter oder erfahrener als mich eingeschätzt.. Aber da ich die entsprechende Ausrüstung nicht mit hatte, war es nicht möglich.
Heike und Nils dagegen sind gestern um 6 Uhr vor dem Frühstück schon aufgebrochen, damit sie möglichst früh am Klettersteig sind, da für gestern Mittag wieder Gewitter angekündigt waren und vor dem Klettersteig erst noch eine vierstündige Wanderung zu bewältigen war. Aber hier unten zumindest kann das Gewitter so spät, dass sie es noch geschafft haben müssten. Leider werden sie jetzt einen Tag hinter uns wandern, so dass wir wahrscheinlich nie erfahren werden, wie es ihnen ergangen ist.
Wir, das hieß gestern Karsten und ich, haben uns, nachdem wir uns auch von Johannes verabschiedet hatten, der einen anderen Weg nach Belluno laufen wollte, gemütlich nach dem Frühstück auf den langen und steilen Abstieg zur Bushaltestelle gemacht. Aber auch dieser Weg war nicht ohne, schließlich waren über 1400 Höhenmeter abzusteigen, was auch eine reichlich vierstündige Wanderung bedeutete.
Zuerst ging es so weiter, wie es am Tag zuvor aufgehört hatte, auf steilen Wegen über Bergwiesen nach unten. Zwischendurch haben wir dann auch noch ein paar Gämsen gesehen, bevor der Weg dann in einen Waldweg überging.

Nach ungefähr zwei Stunden kamen wir dann am Rifugio Bianchet an, wo wir uns ein wenig aufhielten, damit wir nicht zu früh an der Straße waren. Der folgende Weg war dann ein breiter Waldweg, der obwohl steil, angenehm zu gehen war. Leider ging er dann irgendwann in eine Schotterpiste über, was nicht so schön war. Aber gerade als ich die Nase voll hatte von diesem Weg, kam schon die Abzweigung zur Bushaltestelle, zu der ein schmaler und steiler Pfad führte, der wieder etwas Abwechslung brachte. Er war zwar stellenweise etwas schwer zu begehen, weil viele Felsen und Baumwurzeln auf dem Pfad zu überwinden waren, aber trotzdem angenehmer als die Schotterpiste.

Solche Situationen hab es ganz oft, während meiner Wanderung. Im richtigen Moment, wenn man denkt man kann nicht mehr, gibt es irgendeine Abwechslung ist einfach eine kleine Pause, die einen dann wieder aus neue motiviert weiterzumachen. Sowohl im Kleinen bei einer Tagesetappe oder auch im Großen bei der ganzen Wanderung ist noch größer im Leben.
Das waren an der Bushaltestelle war dann nicht so schön. An einer vielbefahrenen Landstraße mit all dem Autolärm sehnte ich mich wieder in die Ruhe der Bergwelt zurück. Aber die Zivilisation hat natürlich auch Vorteile, z.B. ein Hotelzimmer mit einem richtigen Bett und einer Dusche, in der nicht nach zwei oder drei Minuten das Wasser ausgeht und man eine Münze nachwerfen muss, wenn man nicht fertig ist.
Aber das größte Abenteuer des Geräteuhren Tages stand ja noch vor mir. Ich wollte ein paar Dinge, von denen ich dachte, dass ich die nicht mehr brauche, nach Hause schicken. Deswegen habe ich mir im Supermarkt einen alten Pastakarton und eine Rolle Klebeband besorgt, neue Sachen in den Karton gepackt, ihn zugelegt und bin frohgemut zur Post geschritten. Aber leider war das Verschicken nicht ganz so einfach. Zuerst musste ich eine Nummer ziehen und mindestens eine Viertelstunde warten, in der ich schon einmal einen Paketschein ausgefüllt habe. Aber, wie könnte es auch anders sein, es war der falsche. Er war für italienische Ziele, nicht für internationale. Also füllte ich einen neuen Schein aus, inklusive Zollerklärung, bei ich ganz genau auflisten sollte mit Wert und Gewicht, was alles in dem Paket drin ist. Ich habe dann irgendwas zusammenphantasiert. Scheinbar hat die italienische Post noch nichts vom europäischen Binnenmarkt und der Abschaffung der Zollkontrollen gehört. Dann konnte man den Schein auch nicht einfach auf das Paket kleben, sondern musste noch einen Zettel mit der Empfängeradresse ausfüllen. Und dann müsste ich auch die Zollerklärung noch einmal in ein anderes Formular eintragen. Und als es dann endlich ans Bezahlen ging, bin ich ob des Preises von 29 Euro für ein knapp drei Kilogramm schweres Paket aus allen Wolken gefallen. Und als ich dann auch noch mit der Kreditkarte bezahlen wollte, wollten sie auch noch einen Ausweis sehen, um meine Personalien noch aufzuschreiben. Es lernen wir aus alledem? Verschicke besser kein Paket mit der italienischen Post und trage dein Gepäck bis nach Venedig. Das ganze Unternehmen hat mich neben dem Geld auch noch bestimmt 45 Minuten gekostet. Und mein Hemd, das beim Hochheben des Pakets zerrissen ist. Aber dafür ist der Rucksack jetzt noch ein bisschen leichter.
Belluno selbst ist ein gemütliches kleines Städtchen, das malerisch vor der Kulisse der Dolomiten liegt. Außerdem hat es ein paar alte, schöne Gebäude und einen Dom und eine Rolle, mit der man vom Stadtzentrum runter zum Fluss fahren kann.

Nach dem Postabenteuer haben wir übrigens Vicky wieder getroffen, die bei der Post ähnliche Erfahrungen gemacht hat wie ich. Ziehen sind wir dann noch Pizza essen gegangen.
Und hier noch unsere gestrige Strecke: Rifugio Piandefontana – Bushaltestelle nach Belluno