Abwechslungsreiche Wanderung – grün und bunt

Der heutige Abschnitt besaß zwar nicht die ganze großen Höhepunkte, war aber sehr abwechslungsreich und deswegen auch interessant. Vom Rifugio Tissi stiegen wir ersteinmal gar tausend Meter runter. Dabei führte uns der Weg über grüne Wiesen und kleine Waldabschnitte.

Morgens macht das Wandern immer am meisten Spaß. Wenn man ausgeschlafen und voller Energie ist, die Luft noch frisch und kühl, man ein gutes Frühstück im Bauch hat und auch noch nicht so viele Leute unterwegs sind, kann man das Wandern am meisten genießen. Wobei heute die Zahl der Menschen, die wir trafen im Gegensatz zu gestern sehr überschaubar war.

Auf diesem ersten Teil unserer heutigen Wanderung fand ich die heißen Findlinge, die auf dem Weg lagen besonders imposant.

Findlinge auf dem Weg

Heute bin ich übrigens mit Karsten und Johannes gewandert. Letzterer ist auch ein München-Venedig-Wanderer, der etwas später losgegangen ist, aber keine Pausentage gemacht hat und uns deswegen jetzt eingeholt hat.

Das erste Zwischenziel war das Rifugio Vazzoler, bei dem es einen kleinen alpinen, botanischen Garten gibt, in dem ich tatsächlich auch mal Edelweiß in natura gesehen habe (wenn das auch nur halb zählt, schöner wäre es gewesen, ich hatte sie einfach an Wegesrand wild wachsend entdeckt).

Edelweiß mit anderen Bergblumen

Vom Rifugio Vazzoler ging es weiter bergab und wir kamen in einen richtigen Wald mit Laubbäumen, der fast aussah wie Zuhause:

Nach all den vielen Felsen und Bergwiesen war es sowohl für Augen als auch für die Füße eine willkommene Abwechslung. Ab dem Wald ging es dann aber wieder aufwärts, so dass der Laubwald auch bald schon wieder zu Ende war und Latschenkiefern Platz gemacht hat. In der Folge war deswegen eher Wurzelklettern als Felsklettern gefragt.

Gegen Mittag machten wir dann eine ausgiebige Rast auf einer wunderschönen Bergwiese mit vielen bunten Blumen und einer eindrucksvollen Aussicht auf die umgebenden Berge. Diese Rast habe ich besonders genossen. Einfach auf der Wiese liegen, in den Himmel oder auf die Berge schauen, Schmetterlinge, Bienen oder andere Insekten beobachten und sich eins fühlen mit der Natur, sich bewusst werden, dass man sich ein Teil dieser Natur ist, das sind Momente, die für mich auch ganz wichtig sind während dieser Wanderung.

Bergblumen

Aber auch der schönste Moment ist irgendwann zu Ende und deshalb sind wir aufgebrochen, als sich eine dunkle Wolke vor die Sonne schon, da für den Nachmittag noch Gewitter angekündigt waren (die jetzt immer noch wüten). Nach insgesamt ungefähr 6 Stunden Wanderung kamen wir dann hier am Rifugio Carestiato an.

Wolken am Berg

Heute genau vor drei Wochen bin ich aufgebrochen, ungefähr drei Viertel meiner Wanderung sind absolviert, morgen in einer Woche werde ich, wenn alles klappt, in Venedig ankommen. In Gedanken bin ich eigentlich schon fast durch, obwohl noch viele Wanderkilometer auf mich warten. Aber das wird wahrscheinlich die letzte Woche noch einmal besonders schwer machen. So kurz vor dem Ziel und doch noch nicht da. Mittlerweile freue ich mich auch schon richtig darauf bald wieder Zuhause zu sein. Aber noch bin ich es ja nicht, noch muss ich acht Tage wandern. Ich befürchte, dass das noch acht sehr lange Tage sein werden, obwohl die Tage eigentlich bislang wie im Flug vergangen sind. Aber wenn das lange fast unerreichbar erscheinende Ziel plötzlich in Reichweite liegt, wächst auch die Ungeduld es endlich zu erreichen. Vor allem bei dem Gedanken, dass ich morgen nach Belluno fahren könnte, von dort nach Venedig und dann schon da wäre. Aber nach Venedig fahren, hatte ich auch schon vor drei Wochen ganz einfach haben können. Und genau das wollte ich nicht. Ich wollte mich ihm ganz langsam zu Fuß annähern. So werde ich jetzt also noch 8 Tage geduldig wandern und dann hoffentlich glücklich und zufrieden auf eigenen Füßen in Venedig einlaufen.

Hier noch unsere Route von heute: Rifugio Tissi – Rifugio Carestiato

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