An meinem Ruhetag in Alleghe ist Mal wieder Zeit in Zwischenfazit zu ziehen, jetzt, nachdem drei der fünf Teile meiner Wanderung vollendet sind und das Ende schon abzusehen ist.
Die letzten fünf Tage von Pfunders hierher nach Alleghe, die diesen dritten Abschnitt gebildet haben, beginnen für mich wie im Flug. Je länger ich unterwegs bin, desto leichter fällt mir das Vorankommen. Nach nun 20 Tagen hat sich bei vielen eine gewisse Routine eingestellt: Aufstehen, Rucksack packen, frühstücken, los gehen, wandern, ankommen, duschen, abendessen, Blog schreiben, schlafen gehen. Was sich vielleicht etwas eintönig anhört, wird jeden Tag variiert durch die vielen Eindrücke, die immer wieder unterschiedlichen Landschaften und durch die kleinen und großen Erlebnisse, die es immer wieder gibt und die keinen Tag wie den anderen werden lassen.
Auch das Wandern fällt mir immer leichter. Während der erste Teil besonders mit meinen alten Schuhen dich teilweise eine ziemliche Qual waren, bin ich jetzt die letzten Tage komplett ohne irgendwelche Pflaster oder zugetapete Füße ausgekommen. Bei den langen, schweren Etappen der letzten Tage war ich zwar Abend immer ziemlich k.o., aber am nächsten Tag ging es wieder in alter Frische weiter.
Der nächste Teil unseres Weges führt uns weiter durch die Dolomiten über die Civetta und die Schiara, die ich aber umgehen werde, da ich mir den Klettersteig dort mangels Erfahrung und Klettersteigset nicht zutraue, nach Belluno, von wo aus der letzte Teil dann durchs venetische Flachland zu dem Endziel nach Venedig führt. Dieser nächste Abschnitt ist also der letzte mit richtigen Bergen, die mich seit zweieinhalb Wochen begleitet haben.
Was bleibt noch von diesen letzten fünf Tagen? Die Wandergruppen sind dynamischer geworden. Durch unterschiedliche Etappenplanungen und Pausentage lernt man auch die Leute kennen, die vor oder nach einem auf dem Weg sind, man trifft sich, man verabschiedet sich und man trifft sich wieder. Heute Abend z.B. werde ich Karsten wieder treffen, mit dem ich zwischen Tutzinger Hütte und Pfunders zusammengewandert bin und der in Vintl einen Ruhetag gemacht hat, mich jetzt aber wieder eingeholt hat. Heute Morgen habe ich mich von Albert verabschiedet, der wieder nach Berlin zurückfährt und gestern Mittag sind Anni, Henning und Kevin ohne mich weiter gelaufen. Und morgen werde ich wahrscheinlich wieder Vicky treffen. Und so mischen und trennen sich die Gruppen immer wieder.
Die großen Schwierigkeiten des Weges liegen jetzt auch hinter uns. Die nächsten Etappen sind mittelschwere und leichte, bis auf die eine sehr schwere, die ich, wie oben schon erwähnt, auslasse. Auch bei den schweren Etappen habe ich mich nie unsicher gefühlt oder Angst gehabt. Einige Stellen waren zwar durchaus anspruchsvoll und mit Respekt anzugehen, aber keine war so schwer, dass ich Probleme ganz gehabt hätte. Interessant wäre natürlich gewesen, ob die beiden Etappen, die wir ausgelassen haben, noch schwerer oder ähnlich gewesen wären. Aber um das zu erfahren, musste ich wahrscheinlich in einem anderen Jahr noch einmal hierher kommen, um sie zu machen.
Interessant war auch der Ruhetag heute. Irgendwie fühlte es sich merkwürdig an, einfach mal nichts zu tun bzw. ohne festen Plan einfach zu sehen, es sich so ergibt. Aber genau diese Ruhezeiten, diese ungeplante (oder unverplante) Zeit ist etwas sehr wertvolles, was aber nicht nur bei dieser Wanderung sondern auch im Alltag oft zu kurz kommt. Oft ist es gerade in dieser Zeit, in der man ohne konkretes Ziel plötzlich neue Ideen oder Einsichten gewinnt, an Dinge denkt, die man aus den Augen verloren hat oder an die man noch nie gedacht hat. Ich nenne eine solche Zeit gerne produktive Langweile, will es sich erst langweilig anfühlt, aber der Geist befreit von Zwängen und Druck plötzlich ganz produktiv sein kann.
So richtig produktiv war ich heute zwar nicht, aber ich habe immerhin die Zeit genutzt, meine alten Artikel noch mit den versprochenen Bildern anzureichern. Wenn ihr also in der Historie zurückblättert, werdet ihr jetzt noch ein paar zusätzliche Bilder sehen.
Außerdem habe ich heute einen kleinen, gemütlichen, lockeren Spaziergang um den See hier gemacht und habe ein paar Lebensmittel für die nächsten Tage gekauft. Damit ihr einen Eindruck von Alleghe gewinnt, hier ein paar Bilder:

Morgen geht es dann wieder in die Berge. Dann gibt es bestimmt wieder mehr Bilder und auch wieder einen GPS-Track der gelaufenen Strecke.
Lieber Stefan,
ganz lieben Dank für deine spannenden und aufschlussreichen Berichte von deinem
Unternehmen.Es freut uns sehr,dass es dir mit dem Wandern immer besser geht.
Du hast bisher alles gut geschafft,und so wird es bestimmt auch weiter gehen und
du das große Ziel erreichst.Wir drücken ganz fest die Daumen!Deine Bilder sind
großartig.Wir freuen uns schon auf deine restlichen Berichte.Weiter ein gutes Wandern.
Liebe Grüße Papa und Mama
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