Eigentlich dachte ich, dass ich heute erstmalig aus dem Notlager meinen Blog schreiben werde, da ich für heute keine Reservierung auf der Schlüterhütte mehr bekommen habe. Trotzdem wollte ich heute bis zu dieser Hütte laufen, da auch die nächsten Hütten schwierig zu reservieren waren und wir (Henning, Anni und ich) deswegen planen die nächsten drei Etappen in 2 Tagen zurückzulegen. Ich hätte zwar ein Bett am Würzjoch bekommen können, das aber 2 Stunden (und vor allem 2 sehr anstrengende Stunden) vor der Schlüterhütte liegt, die dann morgen zu der sowieso schon verlängerten Etappe hinzugekommen wären. Eigentlich dürfen die Hütten nur Reservierungen für 75% der Plätze annehmen. So spekulierte ich darauf, dass ich, wenn ich früh genug komme, doch noch einen Platz bekomme. Aber leider haben sie hier scheinbar alle Plätze vergeben, so dass für mich nur noch das Notlager (eine Matratze auf dem Flur) übriggeblieben wäre. Aber gerade eben kann der Wirt zu mir, um mir zu eröffnen, dass noch ein Einzelzimmer frei wurde, da diejenige, die es gebucht hatte, nicht genommen ist. So schlafe ich heute also nicht im Notlager, sondern, total luxuriös, in einem Einzelzimmer. Leider hatten Kevin und Albert, die nach mir kamen und genauso wie ich spekuliert hatten, nicht so viel Glück und müssen Hütte im Notlager schlafen.
Apropos schlafen, die letzte Nacht haben wir sehr rustikal im Dachboden eines Kuhstalls geschlafen und sind entsprechen heute Morgen bin Muhen und Läuten der Kühe geweckt worden.

Aber nun zu unserer heutigen Tour. Wie gestern schon angekündigt, betraten wir heute mit den Dolomiten unser nächstes Gebirge. Aber zuerst führte uns unser Weg über sanft gewellte Bergwiesen und Almen, von denen man sowohl auf die zurückliegenden (Zillertaler Alpen) als auch auf die vor uns liegenden Berge (Dolomiten) blicken konnte. Besonders interessant fand ich folgenden Bergsee mit Schwänen:

Danach ging es auf bequemen Wegen in sanften, aber ständigen Auf-und-ab zur Maurerberghütte. Auf dem Weg dorthin fanden wir ein sehr luxuriöses Biwak mit Ofen, Matratzen und Esstisch.

Nach der Maurerberghütte ging es dann einen steilen Fahrweg bergab, bevor es wieder steil zum Würzjoch hinauf ging. Dabei kam der Höhepunkt unserer heutigen Etappe immer näher: Der Peitlerkofel, den wir gestern schon von weitem gesehen haben, wurde immer majestätischer. An seiner Flanke stiegen wir dann über weißes Dolomitgeröll auf einem steilen Pfad zur Peitlerscharte, von wo aus wir dann wieder mit einer großartigen Aussicht über grüne Bergwiesen mit bunten Blumen vor der Bergkulisse belohnt wurden.
Mit dem Wetter hatten wir heute übrigens Mal wieder Glück. Kaum fielen die ersten Regentropfen, erreichen wir unser heutiges Ziel, die Schlüterhütte, die übrigens nach einem Dresdener Kommerzienrat, der sie gestiftet hat, benannt ist. Der italienische Name ist übrigens „Rifugio Genova“. Hoffentlich bleibt uns auch morgen das Wetterglück hold, besonders da wir ein schweres Teilstück vor uns haben, das nur bei gutem Wetter begangen werden soll. Aber es gibt auch eine Schlechtwetter-Umgehung.
Heute bin ich schon den 16. Tag unterwegs, was so ziemlich die Halbzeit meiner großen Wanderung bedeutet. Langsam wird es immer realistischer, das ich tatsächlich in Venedig ankommen werde. Obwohl wir heute während des Wanderns viel von Rückblicken geredet haben, im wörtlichen Sinne, wie befriedigend es ist, zurückzublicken und zu sehen, es man schon geschafft hat und wie die schon durchwanderte Landschaft im Rückblick noch einmal einen ganz anderen Eindruck vermittelt, werde ich euch heute vor einem weiteren Rückblick verschonen, da ich das gestern schon gemacht habe.
Nachdem ich hier noch den Link zu unserer heutigen Tour eingefügt habe (Kreuzwiesenalm – Schlüterhütte), werde ich in meinem Einzelzimmer hoffentlich ruhig schlafen
Hi Stefan!
16 Tage schon? Hui. Ich dachte noch: „Der ist doch grad erst los gelaufen und schon in den Dolomiten…“ 😉
Es ist immer sehr interessant, Deine Schilderungen zu lesen 🙂
Die Dolomiten finde ich auch total Klasse. Ich war bislang allerdings nur in den östlichen bei Sexten und Cortina unterwegs.
Dann noch viel Spaß auf dem Rest des Weges!
Viele Grüße,
Markus
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