Schnell runter, langsam wieder hoch – bequem und anstrengend

Nun komme ich doch später zum Blogschreiben, als ich gestern gedacht habe. Wir haben die heutige Etappe durch Busfahren zwar bedeutend verkürzt, aber uns beim Rest dann mit ausgiebigen Pausen viel Zeit gelassen.

Aber bevor ich von meinen Erlebnissen des heutigen Tages erzähle, wollte ich noch das gestern versprochene Resümee des zweiten Teils meiner großen Wanderung ziehen. Kurz gefasst war der zweite Teil bedeutend besser als der erste. Man kann sogar sagen, er war so, wie ich es mir vorgestellt und gewünscht habe. Ich habe einige schöne und auch anspruchsvolle Etappen durch die Zentralalpen absolviert, wenn auch der Höhepunkt dieses Teils, nämlich die Überschreitung der Friesenbergscharte, der Witterung zum Opfer gefallen ist. Das Wandern ist gut gegangen, ich musste keine über das gewöhnliche Maß hinausgehenden Schmerzen, insbesondere keine Blasen, mehr erdulden, und ich habe viele schöne Landschaften gesehen. Von diesem zweiten Teil bin ich vollauf begeistert und mit meiner Leistung sehr zufrieden. Ich hoffe, die noch ausstehenden drei Teile werden ähnlich verlaufen, so dass ich in zweieinhalb Wochen ein ähnlich positives Fazit meiner kompletten Wanderung ziehen kann.

Dieser zweite Teil führte mich vom Inntal ins Pustertal, das ich aber heute schon fast wieder verlassen habe, um jetzt die Dolomiten zu durchwandern. Geprägt waren die Etappen dieses Teils von felsigen Wegen oberhalb der Baumgrenze, auf denen man immer mal wieder an kleinen Kletterstellen die Hände zur Hilfe nehmen musste, und durch die zahlreichen Schneefelder, die wir umgehen oder überqueren mussten. Wettermäßig haben wir weiterhin fiel Glück gehabt. Es gab nur einen Regentag während dieser Zeit und an diesem hat es auch nicht durchgängig geregnet, sondern nur teilweise, und als es am schlimmsten wurde, Rasten wir schon in der schützenden Hütte.

Ich bin froh, das ich nicht nach dem ersten Teil aufgegeben habe, wovor ich kurz war mit all meinen Fuß- und Schuhproblemen. Hätte ich das gemacht, könnte ich jetzt nicht zufrieden auf das Geleistete zurückblicken. Und sollte ich, aus welchen Gründen auch immer, nicht in Venedig ankommen, sondern schon vorher zurückkehren, kann ich trotzdem stolz darauf sein, zwei Wochen durch die Alpen gewandert zu sein und dabei immerhin den Hauptkamm der Alpen überschritten zu haben.

Aber schwierig ist eine Entscheidung aufzugeben oder nicht doch, will man ja nie vorher weiß, ob es besser wird und man deshalb nicht aufgeben sollte, oder schlimmer, und man hinterher fahren würde, das es doch besser gewesen wäre, rechzeitig aufzugeben. Aber ich glaube nicht, dass man für solche Fälle allgemeine Regeln aufstehen kann, die einem bei der Entscheidung helfen. Wichtig ist, denke ich, dass man aufbauend auf vergangenen Erfahrungen und einer möglichst realistischen Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit, zu einer wohlüberlegten Entscheidung kommt, bei der man sich am Ende gut fühlt. Und dann auch zu dieser Entscheidung steht, bewusst, warum man sie genau so getroffen hat.

Nun aber noch kurz zum heutigen Tag. Wir begannen ihn mit einem reichlichen Frühstück. Danach wanderten wir aber nicht sofort los, sondern fuhren erst mit den Bus von Pfunders nach Niedervintl ganz ins Tal. Der Wanderführer empfahl einen Teil dieser Busfahrt, da der heutige Weg sowieso am Anfang nur auf der Straße entlang gegangen wäre. Da wir aber nun schon im Bus saßen, fuhren wir bis ganz runter. In Niedervintl trennten wir uns erst von Karsten, der in Vintl einen Ruhetag eingelegt hat und erst morgen wieder weiterwandert. Es ist schade, dass du, Karsten, ersteinmal nicht mehr mit uns mitwanderst. Es war schön mit dir zu wandern, du warst ein angenehmer Mitwanderer. Vielen Dank für deine Gesellschaft. Aber vielleicht treffen wir uns ja noch einmal auf dem Weg nach Venedig.

Nach der Verabschiedung von Karsten und Erledigung einiger Einkäufe und sonstiger Dinge, für die man auf die Infrastruktur eines Ortes angewiesen ist, begann der große Anstieg, heute verstärkt mit Albert. Da wir nach den großen Abstieg gestern und der Busfahrt heute nur noch auf 800m Höhe waren, führte der Weg heute im Gegensatz zu den vorherigen Tagen zuerst auf bequemen, aber sehr steilen Waldwegen nach oben. Christian, falls du das liest: Ich glaube es war gut, das ihr heute nicht gekommen seid zum Mitwandern. Es wäre doch sehr anstrengend für euch gewesen.

Blick zurück nach Vintl beim Aufstieg

Obwohl der Wanderführer uns schon davor gewarnt hat, dass der Weg durch den Wald großes Potential hat sich zu verlaufen und wir natürlich alle mit GPS-fähigen Smartphones ausgestattet waren, schafften wir es doch uns zu verlaufen ist und mussten ein Stück querfeldein mit einem sehr steilen Stück Wiese, das wir kaum heraufgekommen sind, gehen. Das bestürzendste für mich war dabei aber, das Matthias, der eine Allergie gegen Gräserpollen hat, durch die volle Ladung, die er auf dieser wurde abbekommen hat, fast kollabiert wäre. Zum Glück hatte er aber ein Notfallmedikament dabei, so dass es ihn bald wieder besser ging. Zu allen Überfluss fing Vicky auch noch gleich zu Niesen ab, so dass sie auch gleich noch eine Dosis des Medikaments verabreicht bekam. Hier könnte ich jetzt noch eine längere Abhandlung über kaputte Zehnägel, gereizte Achillessehnen, verspannte Rücken, wunde Stellen und Blasen und den übrigen Leiden und Gebrechen, die einen so während einer großen Wanderung erteilen können, aber das verschiebe ich auf ein anderes Mal.

Nach fast 1000 Höhenmeter wurden dann die Bäume lichter, der Abstieg weniger steil und es gab auch wieder schöne Ausblicke auf die umliegenden Berge. Der Weg führte nun über Almen, die intensiv landwirtschaftlich und touristisch genutzt werden, so dass dort ziemlicher Verkehr herrschte, es ich nicht so schön fand.

Auf dem Weg zur Kreuzwiesenalm

Schön fand ich, dass man schon die Dolomiten, unser Ziel für die nächsten Tage, vor uns sah.

Blick auf den Peitlerkofel

Zum Schluss noch die heutige Route (leider fehlt das letzte Stück): Niedervintl – Kreuzwiesenalm

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