Gerade schaue ich aus dem Fenster unsere Hüttenzimmers und sehe nur weiß, was zum einen daran liegt, dass das Fenster nur recht klein ist und die Hütte in einer Mulde liegt, deren Hänge aber noch eingeschneit sind. Wir, das sind Anni, Henning, Karsten und ich, sind wieder in den Bergen, diesmal auf dem Glungezer, einer der Hausberge von Innsbruck und mit über 2600m Höhe der bislang höchste Punkt unserer Tour. Der Aufstieg dorthin war aber der bislang bequemste, da er hauptsächlich mit Bus und Bergbahn erfolgte.
Doch bevor ich dort ankam, habe ich heute Morgen in Innsbruck noch schnell Spikes oder Grödel gekauft, mit denen ich, falls wir doch noch mal ein Schneefeld überqueren müssen, besseren Halt habe. Nachdem Anni in unsere WhatsApp-Gruppe gepostet hatte, das sie sich auch noch welche kaufen würden, dachte ich, ich wäre ja blöd, wenn ich dies nicht auch täte, jetzt wo es gerade die Gelegenheit gäbe. Gesagt getan, bin ich also noch mal schnell mit dem Bus in die Innenstadt gefahren und habe mir die Grödel gekauft. Auch dafür ist eine Wandergruppe gut, zum Austausch über Ausrüstung und zum setzen der Impulse zur rechten Zeit. Danke, Anni.
Nun aber zur Beschreibung unseres Aufstiegs zum Glungezer. Ich bin erst mit dem Bus von Innsbruck nach Tulfes gefahren bin, wo Karsten schon auf mich gewartet hat. Wir sind dann zusammen erst mit der Gondelbahn und dann noch mit dem Sessellift auf ungefähr 2000m Höhe gefahren, so dass der folgende Anstieg zur Hütte nur reichlich 600 Höhenmeter betrug, die wir in nicht ganz zwei Stunden auch geschafft haben.

Hier oben angekommen besiegten wir dann noch den Glungezer-Gipfel und die Sommerspitze, einen Vorgipfel des Glungezer, beide nur 5-10 Minuten von der Hütte entfernt. Was ich besonders faszinierend heute fand, waren die kleinen bunten Blümchen, die in vielen Felsspalten selbst in dieser Höhe noch das Auge erfreuen.

Über zwei Ereignisse wollte ich heute noch berichten: Ein nicht ganz so schönes und ein kurioses. Erst das nicht ganz so schöne: Gerade als wir so gemütlich auf der Terrasse der Hütte saßen, quatschen und die Aussicht gebissen, stürzte ein Junge ein paar Meter einen Geröllhang hinunter. Im Endeffekt sah es schlimmer aus, als es wohl war, aber man sieht wieder, man muss im Gebirge immer aufpassen, wohin man tritt.
Das zweite Ereignis bestand darin, dass ich meinen ersten Gipfel mit Badeschuhen bestiegen habe. Wie kam es dazu? Nach dem Abendessen lud uns der Hüttenwirt zum Streckenbriefing für morgen ein. Die meisten hier, vielleicht sogar alle, wollen morgen, wir auch wir, zur Lizumer Hütte, die sogenannte 7-Gipfel-Tour, machen. Zu diesem Briefing stiegen wir alle, so wie wir waren, die meisten also in Hüttenschuhen, zur Sommerspitze, von wo man einen Teil des Weges schon gut überblicken kann.
Der Weg morgen wird wahrscheinlich der bislang herausforderndste Abschnitt, da er zum einen lang ist (mindestens 8 Stunden, eher 9-10) und zum anderen dich ziemlich viele Schneefelder umgangen werden müssen, und das immer am Grat entlang. Aber dafür werden uns hoffentlich wieder grandiose Aussichten belohnen und die Tatsache, dass wir unseren Ziel Venedig ein Stück näher gekommen sein werden.
Und wenn ihr euch jetzt fragt, warum ich überhaupt neue Schuhe gekauft habe, wenn ich auch mit Badelatschen Berge besteigen kann, hier ist die Antwort: Beim Abstieg ging mein Badeschuh kaputt, so dass ich das letzte Stück in Socken gehen musste. Aber seid unbesorgt, er ist einfach wieder zu reparieren, aber oft sollte ich das nicht machen.
Tolle Bilder und geniales Wetter! Animiert zum nachmachen. Viel Spass noch im zweiten Teil!
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Lieber Stefan,
toll, dass du diesen Blog hast und uns so alle ein wenig an deinem Abenteuer teilhaben lässt. Ich freu mich jeden Abend auf deinen Wanderbericht und besonders froh bin ich, dass du dank mir deine Stirnlampe nicht vergessen hast 😉 Passt auf Dich auf und hab weiterhin eine schöne Zeit!
Liebe Grüße aus Berlin! Sonja
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