Endlich wieder richtig wandern. Heute war ein Tag so richtig nach meinem Geschmack. Im Wanderführer lief die heutige Etappe über den Titel „Gipfelsammeln auf hohem Niveau“. Und so war es auch. Gleich nach dem Start gingen wir über den Glungezer-Gipfel, den wir ja gestern schon bestiegen hatten, und dann folgte ein Gipfel nach dem anderen, immer wieder hoch und runter.
Dieser Teil des Weges ist auch als „Seven-Tuxer-Summits“ oder Sieben-Gipfel-Weg bekannt. Neben dem Glungezer führte der Weg über Gamslahner Spitze, Kreuzspitze, Grünbergspitze, mit 2790m Höhe der höchste Gipfel unserer heutigen Wanderung, und Grafmartspitze. Die beiden übrigen Gipfel (Schoberspitze und Sonnenspitze) haben wir links liegenlassen, da wir ja keine Gipfel sammeln wollen, sondern nach Venedig wandern und morgen kommt schon die nächste Etappe, doch dazu später mehr.

Heute sind wir recht zeitig losgegangen, da wir mit mindestens 9 anstrengenden Stunden Wanderung gerechnet haben und nicht so spät an der Lizumer Hütte, unserem heutigen Etappenziel ankommen wollten. Der Weg selbst führte immer auf dem Grad entlang und bestand hauptsächlich aus Blockgelände, was auch immer wieder Kletterpassagen mit einschloss. Eine zusätzliche Steigerung bestand in den zahlreichen Schneefeldern, die hier immer noch zu finden sind und die entweder umgangen oder überquert werden mussten. Dabei empfahl und der Hüttenwirt gestern bei seinem Briefing in Badelatschen auf dem Gipfel – ihr erinnert euch -, die Schneefelder lieber zu umgehen, da man bei einem Schneefeld auf Blöcken nie weiß, ob nicht Hohlräume unser dem Schnee sind, die dann einbrechen können. Da bei einigen das Umgehen schwierig war und die anderen auch den Weg über das Feld nahmen, machen wir das auch so, und es ist zum Glück nichts passiert.
Überhaupt, die anderen. Wir waren beileibe nicht die einzigen, die heute diesen Weg wählten. Heute Morgen startete eine ganze Karawane von Wander*innen, die natürlich im Laufe des Tages aufgrund der unterschiedlichen Geschwindigkeiten sich immer weiter in die Länge zog. Besonders beeindruckt war ich von einer Familie mit zwei 10-12 Jahre alten Mädchen, die auch diesen Weg machten. Sanja, wäre das nicht auch etwas für dich?

Die heutige Etappe war sicherlich die anspruchsvollste bislang, zumindest aus wandertechnischer Sicht mit den vielen Kletterpassagen und dem unwegsamen Gelände. Die ersten langen Etappen in der brütenden Hitze durchs Isartal waren sicherlich auch anspruchsvoll, aber eher in konditioneller Hinsicht. Auch die dritte Etappe, die eine kombinierte Tal- und Bergetappe war, war im letzten Teil technisch anspruchsvoll, aber eben nur ein relativ kurzes Stück und nicht die ganze Zeit über, obwohl auch die letzten zwei Stunden von heute über einfacheres Gelände führten und sich am Ende auf einer Schotterstraße sich ganz schön hinzogen.
Was gab es heute noch außer Gipfel, die Jöcher dazwischen und Berge rundherum noch Interessantes zu sehen? Henning und Anni, z. B. haben ein Murmeltier gesehen, während ich nur die Eingänge in dessen Bau gesehen habe und ihre Pfiffe gehört habe, mit denen sich die Murmeltiere vor herannahenden Wander*innen und anderen Störenfrieden warnen.
Der eine oder die andere wird sich vielleicht fragen, wie es meinen Füßen geht und wie es sich in den neuen Schuhen läuft. Ich kann einfach nur sagen, super. Die Blasen sind mittlerweile fast verheilt und es sind heute auch keine neuen dazugekommen. Heute war der erste Abend nach einer Wanderung, an dem ich noch ganz normal laufen konnte, ohne Schmerzen zu haben. Wobei, ganz ohne Schmerzen ist etwas übertrieben, aber ganz normale Schmerzen nach so einer solchen Etappe, d.h. die Füße sind müde und die Knie lassen spüren, das sie heute sehr gefordert wurden. Aber das wird morgen bestimmt wieder vorbei sein.
Ich denke, es war wirklich gut, dass meine alten Schuhe kaputtgegangen sind. Zum einen hat mir das eineinhalb etwas ruhigere Tage beschert und natürlich neue Schuhe, in denen ich viel besser laufen kann als in den alten. Wären die alten nicht kaputtgegangen, ich glaube, ich hätte mich mit den alten einfach weiter durchgequält und auch höchstens einen halben Ruhetag gemacht. Aber so musste ich unbedingt neue kaufen, so dass das Unglück im Endeffekt ein großes Glück war. Aber so ist es oft im Leben, unerwartete Ereignisse eröffnen neue Möglichkeiten und Chancen, erlauben neu nachzudenken und zu besseren Ergebnissen zu kommen, als wenn man stur den vorgeplanten Weg durchzieht.
Wobei gerade beim Planen wir heute genau das Gegenteil erfahren haben. Die ganze Zeit war unklar, ob wir die morgige Etappe überhaupt so machen können, wie vorgesehenen, da sie uns auch wieder in ähnliche Höhen führt wie heute mit dem entsprechenden Risiko für Altschneefelder. Vicky, die schon einen Tag vor uns hier war, hat deshalb ihr Pläne geändert und eine andere Strecke gewählt. Deswegen waren wir ganz unsicher, ob wir es wagen sollten, die morgige Etappe zu absolvieren. Aber ein Gespräch mit dem Hüttenwirt heute Abend machte uns zuversichtlich, dass wir das schaffen können, weshalb wir morgen also den Weg von der Lizumer Hütte zum Tuxer-Joch-Haus angehen werden. Außerdem erscheint es plötzlich nach Aussage des Hüttenwirts nicht mehr völlig ausgeschlossen, dass wir sogar die Friesenbergscharte am Sonntag überqueren können. Aber da für Sonntag schlechtes Wetter angekündigt ist, ist das doch sehr fraglich. Aber bislang hatten wir immer Glück mit dem Wetter…
So fügt sich wieder eins zum anderen. Manchmal denke ich ja, ich hätte diese Wanderung besser planen sollen. Aber wenn man so viel im Voraus plant, kann auch zwischendurch durch Unvorhergesehenes viel Planung wieder zunichte gemacht werden, so dass man ständig am Umplanen ist. Und wenn man gar nicht so genau weiß, wie es weitergehen wird, kann man sich auch nicht aufregen, wenn geplante evtl. doch nicht durchführbar ist.
Auf der anderen Seite muss man, wenn man wenig im Voraus plant, auch die Ungewissheit aushalten, nicht so genau zu wissen, wie es weitergeht. Aber dabei hilft die Zuversicht, dass es immer irgendwie weitergeht und am Ende, egal wie, auch irgendetwas Gutes dabei herauskommt, zumindest etwas, über das es sich zu berichten lohnt.
So zum Schluss noch unsere heutige Tour: Glungezer Hütte – Lizumer Hütte.