So, nachdem ich gestern viel zu k.o. war, um noch etwas schreiben zu können, werde ich heute gleich erzählen, was mir die letzten beiden Tage widerfahren ist.
Gestern Morgen bin ich also wie geplant in München angekommen, obwohl – den ersten kleinen Aufreger hab es schon in der S-Bahn von München-Pasing zum Marienplatz. Als die Bahn nämlich im Münchner Hauptbahnhof einfuhr, empfing uns eine Sirene: Feueralarm – bitte verlassen Sie umgehend den Bahnhof. Bis die Fahrgäste aber die Durchsage verstanden hatten, waren die Türen schon wieder zu und verriegelt, die Bahn fuhr aber nicht los. Einige würden schon etwas hektisch, die meisten blieben aber ruhig, anscheinend kommt hier so etwas öfter vor. Nach ein paar Minuten (!) kam dann die Durchsage, dass sich die Weiterfahrt noch etwas verzögere, du noch eine Defekte Bahn das Gleis blockiere. Aber bald danach ging es dann auch weiter.
Dann war ich also am Marienplatz, wo mein großes Abenteuer beginnen sollte:

Und das Abenteuer begann damit, überhaupt erstmal den richtigen Startpunkt bzw. – noch wichtiger – die richtige Richtung herauszufinden. Im Wanderführer Strand nur lapidar: Richtung Osten (Straße Tal). Nur wo ist Osten und wo die Straße Tal? Zu allen Überfluss zeigte der Kompass in meinem Smartphone mal wieder alles andere an als die richtige Himmelsrichtung, und sowohl die Karte in meinem Wanderführer als auch die in meiner Wander-App waren zu grob, um das genau erkennen zu können. Machen ich alsob erst einmal um den halben Platz geirrt bin, um die Straße Tal zu finden, nahm ich dann doch Google Maps, um endlich los wandern zu können.
Dann war der Weg ersteinmal einfach: Am Deutschen Museum vorbei:

Und dann immer an der Isar entlang bis zum Tierpark Hellabrunn:

Das ist schon toll an München. Mitten in der Stadt kann man immer mal wieder in der Isar baden, sich sonnen oder einfach beim sanften Rauschen des Flusses meditieren. Schade, dass das am Neckar in Heidelberg nicht möglich ist.
Wir auch immer: Beim Beobachten des Flusses und der an ihm Erholung und Entspannung suchenden, kann ich so richtig in den Wander-Flow, so dass ich gar nicht mehr so genau auf den Weg achtete. An den Neptun kann ich mich noch erinnern, aber nachdem ich dann schon über eine Stunde unterwegs war und den Pluto immer noch nicht gesehen hatte, kann mir das schon etwas merkwürdig vor, soweit ist er doch auch wieder nicht weg (wer wissen will, es es mit Neptun, Pluto und den anderen Planeten auf sich hat: Der Planetenweg geht vom Deutschen Museum zum Tierpark und stellt die Entfernungen der Planeten maßstabsgerecht dar). Jedenfalls habe ich weder Pluto noch den Tierpark bewusst wahrgenommen und ein Blick auf die Karte zeigte mir, dass ich schon zwei Kilometer an der Brücke vorbeigelaufen bin, die ich zur Überquerung der Isar hätte nutzen sollen. Zum Glück war paar Meter weiter eine Eisenbahnbrücke in die Karte eingezeichnet und – tatsächlich – unterhalb der Brücke gab es auch einen Fußgängerüberweg:

Im weiteren Verlauf der Wanderung gibt es wenig zu berichten. Der Weg führte immer an der Isar entlang und immer wieder luden schöne Stellen zum Rasten oder Baden ein. Da ich aber insgesamt 35km bis Wolfratshausen laufen musste, erst um halb 11 losgelaufen bin und gerne um 20 Uhr ankommen wollte, konnte und wollte ich mir die Zeit nicht nehmen.
Der Weg, den ich gegangen bin, war übrigens ein Teil des Münchner Jakobsweg. Viele Grüße an Mechthild:

Erst bei ungefähr der Hälfte der Strecke, am Georgsstein – ein in den Fluss gefallener Felsen, auf dem jetzt ein Bild des hl. Georgs ist – legte ich eine kleine Mittagspause ein:

Am Georgsstein musste ich aber feststellen, dass ich vielleicht doch besser das Anti-Brumm mitgenommen hätte. Beim Packen meinte Beate noch, ob ich es nicht mitnehmen wollte, worauf ich erwiderte, das es in den Bergen keine Mücken gäbe. Des letzteren bin ich mir gar nicht mehr so sicher, aber sicher weiß ich, dass es an der Isar unzählige gibt. Sobald man stehen bleibt, wird man sofort von einem ganzen Schwarm angefallen. So schnell kann man gar nicht alle totschlagen, wie neue kommen.
Und wenn wir schon beim Negativen sind, das zweite, was mir zu schaffen gemacht hat, war die Hitze. Sicherlich war der Tag gestern (und der heutige natürlich auch) keine idealen Tage zum Wandern. Ich hatte reichlich 2,5l zum Trinken mit, aber irgendwann waren die all. Zu meiner Rettung kam ich aber, kurz nachdem ich den letzten Tropfen aus meiner Fläche rausgesaugt hatte, an einem Wanderparkplatz mit Toilette vorbei, in der es fließendes Wasser gab! Beim Füllen der Flaschen merkte ich erst, wie ausgetrocknet ich schon war: ich habe alles ersteinmal wieder ausgetrunken und wieder neu befüllt, bevor ich dann weiterwanderte.
Das Ziel meiner gestrigen Wanderung war übrigens Wolfratshausen, eine alte Flößerstadt. Noch heute werden dort Flöße zusammengebaut, auf denen dann Touristengruppen flussabwärts geflößt werden:

Kurz vor Wolfratshausen sah man auch das erste Mal ganz schwach die Berge an Horizont:

Leider war die Sicht heute auch nicht viel besser, obwohl ich heute etwas näher an die Berge rangekommen bin. Es ist wohl zuviel Saharastaub in der Luft.
Die gestrige Etappe zum Nachverfolgen: München-Wolfratshausen
Nun zu heute. Das Unangenehmste zuerst: Die Hitze war heute nicht besser. Von der Temperatur war es wohl etwas weniger heiß, aber heute kam es mir viel schwüler vor.
Der Weg ging heute wieder am der Isar entlang, nachdem das letzte Stück gestern an der Loisach entlang führte, die vor Wolfratshausen in die Isar mündet. Wobei man heute, zumindest das erste Stück, kaum von Weg reden kann, eher von einem Pad, der sich durch einen dichten Kiefern- und Fichtenwald mit vielen kleinen, stacheligen Jungkiefern und -fichten schlängelte.
Während ich mich gestern nur einmal verlaufen hatte, habe ich mich heute gleich zweimal verlaufen. Wobei – das zweite Mal hat sich im Nachhinein als nicht richtig Verlaufen aufgeklärt. Ich bin nämlich immer der Ausbildung des Weges gefolgt, mein Wanderführer schlug aber eine Alternative vor, die einfacher zu gehen wäre. Aber das war mir zu dem Zeitpunkt, als ich mal wieder auf mein Navi schaute und feststellte, dass ich den Abzweig schon einen Kilometer verpasst hatte, noch nicht bewusst. Da ich keine Lust hatte, wieder umzukehren, suchte ich mir auf der Karte einen Weg, wie ich wieder auf meinen eigentlichen Weg stoßen könnte, ohne zurückzugehen und ohne einen zu großen Umweg zu machen. Aber für die nächsten Tage muss ich besser werden beim Folgen des Weges.
Heute wurde die Strecke auch langsam hügeliger. Es gab immer mal wieder Stellen, bei denen man das Ufer der Isar verlassen musste, um auf höheren wezgen weiterzugehen, von denen man oft schöne Aussichten hatte.

Das letzte Stück heute ging dann über offenes Hügelland auf kleinen Straßen, von wo man eigentlich einen guten Blick auf die Berge haben sollte. Da aber, wir schon oben erwähnt, die Sicht nicht so gut war, dafür die Hitze und die Sonne umso stärker, war dieser Abschnitt nicht so angenehm.
Angenehm bzw. sogar ausgesprochen schon war dann das Ziel meiner heutigen Etappe: Bad Tölz. Schön an der Isar vor dem Panorama der Berge gelegen, haben mir vor allem die Häuser mit ihrer bunten Bemalung, der sogenannten Lüftlmalerei, gefallen.


Und zu guter Letzt habe ich mir ein Hotel mit Schwimmbad geleistet, in dem ich mich dann noch etwas entspannt habe.
Morgen geht es dann endlich in die Berge. Ich bin gespannt, wie das werden wird. Die Hütten für die nächsten zwei Nächte habe ich jedenfalls schon reserviert. Jetzt muss ich nur noch dort ankommen. Außerdem hoffe ich, dass die Hitze vielleicht etwas nachlässt, wenn ich höher steige.
Und hier noch die Tour von heute zum Nachverfolgen: Wolfratshausen-Bad Tölz