Vorspiel zum ersten Akt

So, jetzt sitze ich wieder im Zug, diesmal in den nach München, von wo aus mich mein Weg jetzt in den nächsten 5 Wochen Richtung Süden über die Berge nach Venedig führen wird.

Die letzten Tage waren damit ausgefüllt, zuerst einmal wieder Zuhause anzukommen, vor allem unser Bett zu waschen (leider hat unsere Katze unsere Abwesenheit dazu genutzt, unser Bett als Katzenklo zu benutzen) und natürlich noch die letzten Stücke für meine Ausrüstung zu kaufen und meinen Rucksack zu packen. Auf dem Bild oben könnt ihr sehen, was ich alles mitnehmen werde. Mein Ziel war, dass mein Rucksack maximal ungefähr 10 kg ohne Essen und Trinken wiegen sollte. Das habe ich erreicht. Das Wiegen ergab 9,5 kg. Dazu kommen noch ungefähr 3,5 kg Essen und Trinken (hauptsächlich Trinken heute bei den vorhergesagten Temperaturen), so dass ich insgesamt 13 kg tragen muss. Mal sehen, wie ich damit zurecht komme und was ich alles vergessen habe bzw. nicht brauchen werde.

Übrigens eine kleine Anekdote am Rande: Auf meine Mail gestern hat mir meine Cousine als erfahrene Wandererin gleich mit ihrer über die Jahre gewachsenen Packliste geantwortet. Und tatsächlich: ich konnte noch etwas finden, was gefehlt hat, die Stirnlampe, die ich eigentlich mitnehmen wollte, hatte ich vergessen einzupacken, was ich natürlich gleich nachgeholt habe. Vielen Dank, Sonja!

Eine weitere Frage, die ich gestern als Feedback auf meine Mail bekommen habe, war übrigens die nach dem Weg, den ich zu gehen gedenke. Ich werde auf dem Traumpfad von München nach Venedig wandern. Alternativen, die ich bei der Vorbereitung erwogen habe, waren der E5 von Konstanz nach Verona bzw. die Tour Zugspitze-Gardasee. Nach dem Studium der Reiseführer habe ich mich dann für München-Venedig entschieden, da mir dieser Weg am einfachsten erschien und außerdem München und Venedig als Start- bzw. Zielpunkt besonders attraktiv für mich waren. Und nicht zuletzt war eine Reportage von zwei Journalisten, die ihre Erlebnisse auf genau diesem Weg beschrieben haben, der Anlass für mich, meine lang gehegte Idee einer Alpenüberquerung zu Fuß endlich Realität werden zu lassen.

So bin ich jetzt also auf dem Weg nach München, um genau zu sein zum Marienplatz, wo der offizielle Startpunkt ist, und hoffe in 5 Wochen auf dem Markusplatz zu stehen. Interessant ist, dass ich es in den letzten Wochen kaum abwarten konnte endlich los zu laufen, besonders beim Studium der Streckenbeschreibungen und den sonstigen Vorbereitungen. Aber je näher der Tag des Aufbruchs rückte, desto mehr wuchsen in mir die Zweifel, ob ich mir nicht zu viel vorgenommen habe, ob ich das überhaupt schaffen werde, besonders ob meine Knie das aushalten werden. Ja, ich steigerte mich teilweise sogar regelrecht in eine Angst hinein, zu versagen und ganz kleinlaut vorzeitig mein Unternehmen abbrechen zu müssen. Aber wie auch immer es ausgehen wird: ich habe es wenigstens versucht und auf alle Fälle werde ich an Erfahrungen gewinnen.

Die erste Erfahrung heute wird sicherlich die Hitze sein. Dass ich mir gerade den heißesten Tag des Jahres als Starttag ausgesucht haben werde, konnte ich bei der Planung natürlich noch nicht wissen. Ich hatte eher damit gerechnet, dass ich vielleicht zu früh im Jahr aufgebrochen sein würde, das noch nicht alle Wege schneefrei wären und ich zu dünn angreifen sein werde. Das kann zwar alles noch kommen, schließlich sind die höchsten stellen meiner Route über 2900m hoch und es wird wahrscheinlich nicht die ganzen nächsten 5 Wochen so heiß bleiben. Aber ersteinmal wird eine Hitzeschlacht abgesagt sein, und das gerade auf der ersten Etappe, die besonders lang ist und sich auch noch eher im Flachland bewegt – die Strecke führt übrigens an der Isar entlang flussaufwärts nach Wolfratshausen. Solche Szenarien habe ich mir eher für die letzten Etappen vorgestellt, wenn es Ende Juli durch das Veneto auf langen Flachetappen gen Venedig geht. Aber da meine Zeit nach hinten begrenzt ist, wollte ich jetzt den Start auch nicht verschieben. Und wenn es mir gar zu heiß wird, besteht ja immer noch die Möglichkeit ein Stück mit der S-Bahn zu fahren.

Und jetzt werde ich ersteinmal das Bord-WLAN des ICE nutzen, um mir die Alpensinfonie von Richard Strauss runterzuladen und mich auch musikalisch einzustimmen. Nachdem ich als Jugendlicher ein großer Anhänger der symphonischen Dichtungen von Strauss war, gefiel mir irgendwann diese Musik nicht mehr und ich habe eigentlich Strauss nicht mehr gehört. Aber aus aktuellem Anlass passt das natürlich ganz gut und vielleicht gefällt es mir wieder.

3 Gedanken zu “Vorspiel zum ersten Akt

  1. Avatar von Michael Michael

    Hallo Stefan,
    alles Gute fuer Dein grosses Vorhaben!
    Ich weiss, das Du das schaffst.
    Viele Gruesse aus dem winterlichen West-Australien,
    Michael

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    1. Danke Michael dir dein Zutrauen in meine Fähigkeiten. Die erste Etappe habe ich jedenfalls schon mal geschafft, wenn es auch hier alles andere als winterlich sondern ausgesprochen heiß ist.
      Viel Grüße
      Stefan

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  2. Avatar von Margot Wirl Margot Wirl

    Hallo Stefan,
    schön dass Du uns an Deiner Wanderung teilhaben lässt, ich verfolge alle Nachrichten und erfreue mich an den schönen Fotos. Weiter viel Erfolg und gutes Durchhaltevermögen!
    liebe Grüße
    Margot und Alexander

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